Der Vorsitzende der britischen Rechtspopulisten, Nigel Farage, hat sein Parlamentsmandat niedergelegt und kündigt an, bei einer Nachwahl in seinem Wahlkreis Clacton in der Grafschaft Essex erneut antreten zu wollen. Der 62-Jährige, der mit seiner Partei Reform UK derzeit die Umfragen in Großbritannien anführt, reagiert damit auf wachsenden Druck wegen nicht ordnungsgemäß deklarierter Spenden und Zuwendungen. In einer emotionalen Pressekonferenz in London warf Farage den Medien eine Kampagne gegen sich und seine Familie vor und erklärte, er sei in seinem Leben noch nie wütender gewesen.

Die Entscheidung fällt vor dem Hintergrund mehrerer Enthüllungen über Farages Finanzgebaren. Die „Sunday Times“ berichtete, dass Farage Unterstützungsleistungen seines langjährigen Verbündeten George Cottrell nicht ordnungsgemäß offengelegt habe. Cottrell, der wegen Betrugs verurteilt wurde, soll Farage im Jahr vor dessen Wahl ins Unterhaus unter anderem Sicherheitsdienste und Personal finanziert oder organisiert haben. Farage weist die Vorwürfe zurück und betont, er habe alle geltenden Vorschriften eingehalten. Zudem enthüllte der „Guardian“, dass Farage kurz vor seiner Wahl zum Abgeordneten ein Geldgeschenk in Höhe von fünf Millionen Pfund (rund 5,86 Millionen Euro) erhielt, das er nicht als Spende deklarierte. Farage zufolge handelte es sich um ein rein persönliches Geschenk ohne Bedingungen.

Der Vorgang wird inzwischen vom Beauftragten für parlamentarische Standards untersucht. Im schlimmsten Fall drohte Farage ein vorübergehender Ausschluss aus dem Unterhaus und eine Nachwahl mit ungewissem Ausgang. Mit seinem Rücktritt kam er dieser möglichen Entwicklung zuvor. Farage betonte, die Bürger seines Wahlkreises sollten nun über sein Handeln urteilen, und kündigte an: „Ich werde kämpfen, um zu gewinnen.“ Seine politische Karriere sieht er damit nicht beendet. Der als „Mr. Brexit“ bekannte Politiker hat bereits mehrfach taktische Rücktritte vollzogen: Nach dem Brexit-Referendum 2016 trat er als Chef der Ukip-Partei ab, kehrte später an der Spitze der neu gegründeten Brexit-Partei zurück und legte den Vorsitz nach dem EU-Austritt 2021 erneut nieder. Kurz vor der Parlamentswahl im Juli 2024 übernahm er wieder die Führung von Reform UK.

Farage dürfte gute Chancen auf ein Comeback haben. Seine Partei Reform UK dominiert seit mehr als einem Jahr die Umfragen vor der Regierungspartei Labour und den oppositionellen Konservativen. Der Erfolg wird vor allem Farage persönlich zugeschrieben. Bei den Kommunal- und Regionalwahlen in England, Schottland und Wales im Mai gewann die Partei Hunderte Mandate und stürzte Labour und Premierminister Keir Starmer in eine Krise. Der Vorsprung auf die anderen Parteien lässt sogar einen Einzug Farages in den Regierungssitz 10 Downing Street nach der nächsten Parlamentswahl als möglich erscheinen. Die Affäre um die nicht deklarierten Spenden könnte jedoch das Image des Rechtspopulisten beschädigen, der sich als Kämpfer gegen das politische Establishment inszeniert. Die Opposition wirft Farage mangelnde Transparenz vor und fordert eine vollständige Aufklärung der Vorgänge.

Die Nachwahl in Clacton wird mit Spannung erwartet. Der Wahlkreis im Osten Englands gilt als Hochburg der Brexit-Befürworter und hatte bereits 2014 mit einer Nachwahl für Aufsehen gesorgt, als der damalige Ukip-Abgeordnete Douglas Carswell den Sitz gewann. Farage, der bei der Parlamentswahl im Juli 2024 mit einem deutlichen Vorsprung gewählt wurde, hofft nun auf eine Wiederholung dieses Erfolgs. Sollte er die Nachwahl gewinnen, könnte er gestärkt aus der Affäre hervorgehen. Sollte er jedoch verlieren, wäre dies ein schwerer Rückschlag für seine politischen Ambitionen und für Reform UK, das auf seinen charismatischen Anführer angewiesen ist. Die Entscheidung der Wahlbehörde über den Termin der Nachwahl steht noch aus.

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Sportredakteur

Lukas Seifert berichtet für Junkr Party über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.