Ein ungewöhnlich volles Programm für den US-Präsidenten: Donald Trump empfing am Rande der Trauerfeier für den verstorbenen Senator Lindsey Graham sowohl den israelischen Regierungschef Benjamin Netanjahu als auch den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zu bilateralen Gesprächen im Weißen Haus. Die beiden Staatsmänner nutzten die Gedenkveranstaltung für politische Gespräche – und sprachen auch miteinander.
Der Republikaner Graham war Mitte des Monats im Alter von 71 Jahren an den Folgen einer Gefäßerkrankung gestorben. Er hatte sich als wichtiger Unterstützer Israels und der Ukraine einen Namen gemacht. In seiner Rede würdigte Trump seinen langjährigen Verbündeten als „einen geliebten Freund, einen treuen Bruder, einen hoch angesehenen Staatsmann, eine prägende Figur des US-Senats und ein wahres amerikanisches Original“. Kein Gesetz sei ohne Grahams Mitwirken verabschiedet worden, so Trump.
Das Treffen mit Netanjahu stand im Zeichen des Iran-Krieges, den Israel und die USA Ende Februar gemeinsam begonnen hatten. Medienberichten zufolge hatten unterschiedliche Interessen in den vergangenen Wochen Risse in der Beziehung der beiden engen Verbündeten offenbart: Israel wollte den Krieg fortsetzen, während Trump auf eine diplomatische Lösung drängte. Vor dem Treffen erklärte Trump im Sender Fox News, Netanjahu wolle ihn davon überzeugen, sich nicht vom Krieg im Iran abzuwenden. Die „New York Post“ berichtete unter Berufung auf eine israelische Quelle, Netanjahu werde Trump Geheimdienstinformationen vorlegen, wonach der Iran seine Nuklearbestrebungen am Standort „Pickaxe Mountain“ vorantreibe. Der israelische Sender N12 ergänzte, Netanjahu wolle auch Belege für angebliche Bestrebungen des iranischen Führers Ajatollah Modschtaba Chamenei präsentieren, auf eine Atomwaffe hinzuarbeiten. Teheran dementiert solche Berichte seit Jahren. Trump deutete an, dass er eine Vereinbarung mit dem Iran gegenüber schwereren Angriffen bevorzuge – auch Graham habe in seinen letzten Wochen diesen Weg befürwortet.
Das Treffen mit Selenskyj dauerte gut eine Stunde und fand hinter verschlossenen Türen statt. Der ukrainische Präsident schrieb auf der Plattform X, es sei um eine Stärkung der ukrainischen Luftabwehr gegen russische Raketenangriffe gegangen. Konkret habe man über Lizenzen zur Herstellung von Patriot-Abfangraketen gesprochen. „Der Präsident und ich haben über Lizenzen zur Herstellung von Patriot-Abfangraketen gesprochen und andere Dinge, die helfen können“, so Selenskyj. Außerdem habe man eine Wiederbelebung der diplomatischen Bemühungen um ein Kriegsende erörtert. Selenskyj dankte den USA für ihre feste Unterstützung. Die USA sehen sich in dem Krieg als Vermittler, ihre Bemühungen waren zuletzt jedoch durch den eigenen Krieg gegen den Iran in den Hintergrund geraten.
Nach der Gedenkveranstaltung für Graham war geplant, dass Selenskyj auch Senatoren beider Parteien trifft. Nach Informationen des US-Portals „The Hill“ wurden alle 100 Senatoren zu dem Treffen eingeladen. Im Senat wird seit Langem über ein neues Sanktionspaket gegen Russland verhandelt, das Graham maßgeblich vorangetrieben hatte. Trumps Sprecherin Karoline Leavitt bezeichnete beide Treffen auf X als „positiv und produktiv“. Die Gespräche zeigten, dass die USA auch in Zeiten eigener militärischer Konflikte weiterhin als zentrale diplomatische Akteur auftreten.



