Vier Wochen nach der äußerst knappen Präsidentschaftswahl in Peru ist die rechtsgerichtete Politikerin Keiko Fujimori offiziell zur neuen Staatschefin ausgerufen worden. Bei einer Zeremonie in Lima erklärte der Chef der Wahlkommission, Roberto Burneo, am Freitag: „Ich erkläre Frau Keiko Sofia Fujimori Higuchi zur Präsidentin der Republik.“ Die 51-Jährige kündigte ihrerseits den „Beginn eines neuen Kapitels“ in der Geschichte Perus an und betonte, dass nun die Arbeit beginnen müsse: „Wir wissen, dass die Bürger Ergebnisse erwarten.“
Fujimori, die Tochter des früheren Präsidenten Alberto Fujimori, der Peru von 1990 bis 2000 mit harter Hand regierte, tritt damit ihr Amt in einer politisch angespannten Lage an. Sie gewann die Stichwahl am 7. Juni nach Angaben der Wahlbehörde mit einem Vorsprung von weniger als 50.000 Stimmen gegen ihren linksgerichteten Rivalen Roberto Sánchez. Laut dem amtlichen Endergebnis erhielt Fujimori 50,13 Prozent der Stimmen, Sánchez 49,86 Prozent. Der unterlegene Kandidat hat seine Niederlage bisher nicht anerkannt und kündigte an, das Ergebnis anzufechten.
In ihrer ersten Stellungnahme nach der offiziellen Ausrufung machte Fujimori deutlich, dass sie einen harten Kurs einschlagen will. „Peru muss die Ordnung auf den Straßen, in den Institutionen und im Staat wiederherstellen“, sagte sie im Hauptquartier ihrer Partei. Sie kündigte ein hartes Durchgreifen gegen Kriminalität und irreguläre Migration an. Die fünfjährige Amtszeit wird sie am 28. Juli antreten und damit den jetzigen Amtsinhaber José María Balcázar ablösen.
Fujimori trat bereits zum vierten Mal in Folge bei einer Präsidentschaftswahl an. Ihre politische Karriere ist eng mit dem Erbe ihres Vaters verbunden, der Peru in den 1990er Jahren autoritär regierte und wegen Menschenrechtsverletzungen und Korruption verurteilt wurde. Keiko Fujimori selbst war in den vergangenen Jahren ebenfalls mit Korruptionsvorwürfen konfrontiert, die sie stets bestritt. Ihr knapper Sieg spiegelt die tiefe politische Spaltung des Landes wider: Während ihre Anhänger einen wirtschaftsliberalen und law-and-order-Kurs befürworten, sehen viele Kritiker in ihr die Fortsetzung einer autoritären Dynastie.
Die Wahlkommission hatte das offizielle Endergebnis nach wochenlangen Auszählungen und Nachprüfungen vorgelegt. Internationale Beobachter bescheinigten der Wahl einen ordnungsgemäßen Ablauf, wiesen jedoch auf die angespannte politische Stimmung hin. Der unterlegene Kandidat Sánchez, ein ehemaliger Bürgermeister und Gewerkschaftsführer, wirft der Wahlbehörde Unregelmäßigkeiten vor und kündigte rechtliche Schritte an. Seine Anhänger hatten in den vergangenen Wochen in mehreren Städten protestiert, was die Übergangsphase zusätzlich belastete.
Fujimori steht nun vor der Herausforderung, das Land zu einen und gleichzeitig ihre Wahlversprechen umzusetzen. Peru leidet unter einer hohen Kriminalitätsrate, wirtschaftlicher Stagnation und einer angespannten Migrationssituation an der Grenze zu Ecuador und Kolumbien. Die neue Präsidentin kündigte an, die Sicherheitskräfte zu stärken und die Zusammenarbeit mit internationalen Partnern zu intensivieren. Ob sie die nötige parlamentarische Unterstützung für ihre Reformen erhält, ist angesichts der fragmentierten politischen Landschaft ungewiss.
Die offizielle Ausrufung markiert den Abschluss eines langwierigen Wahlprozesses, der die peruanische Demokratie auf eine harte Probe stellte. Beobachter erwarten, dass die kommenden Monate entscheidend sein werden, ob Fujimori ihre Agenda durchsetzen kann oder ob politische Blockaden das Land weiter lähmen. Die neue Präsidentin selbst zeigte sich zuversichtlich: „So sehr ich mich über meine Ausrufung als Präsidentin freue, jetzt muss die Arbeit beginnen.“



