Mehrere tausend Gäste haben am Sommerabend in Berlin das traditionelle «Hessenfest» besucht, das in diesem Jahr zugleich den 80. Geburtstag des Bundeslandes Hessen feierte. In der hessischen Landesvertretung in der Bundeshauptstadt kamen Landes- und Bundespolitiker, Vertreter aus Wirtschaft und Gesellschaft sowie zahlreiche Bürger zusammen, um bei hessischen Spezialitäten und sommerlichen Temperaturen zu netzwerken und zu feiern. Das Fest, das jährlich stattfindet, hat sich nach Angaben der Veranstalter zu einem bedeutenden Ereignis auf dem Berliner Parkett entwickelt.
Das Buffet bot eine Reihe heimatlicher Köstlichkeiten, die extra zum Jubiläum zusammengestellt wurden. Dazu gehörten unter anderem Grüne Soße mit Eiern und Kartoffeln, nordhessisches Kassler mit Sauerkraut sowie Odenwälder Pulled Pork mit Kochkäsesoße. Eine besondere Wurstspezialität namens Flurgönder, eine Art Saumagen aus dem Fuldaer Land, wurde nach Angaben der Veranstalter von vielen Gästen zum ersten Mal probiert. Auch der Getränkeausschank war auf das Jubiläum abgestimmt: Das Staatsweingut Kloster Eberbach hatte einen eigens kreierten Cuvée-Wein aus Rheingauer Riesling und Weißburgunder von der Hessischen Bergstraße beigesteuert.
Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) nutzte die Gelegenheit, um die Bedeutung des Festes und des Landesjubiläums hervorzuheben. «Das Jubiläum '80 Jahre Hessen' steht für Zusammenhalt, Gestaltungskraft und Verantwortung», sagte Rhein. Gerade in Zeiten großer Herausforderungen sei es wichtig, Zuversicht auszustrahlen und gemeinsam an Lösungen zu arbeiten. Das «Hessenfest» bringe dafür die richtigen Menschen zusammen. Die Veranstaltung diene nicht nur der Geselligkeit, sondern auch dem politischen Austausch und der Pflege von Netzwerken zwischen Hessen und Berlin.
Insgesamt unterstützten rund 100 hessische Unternehmen, Handwerksbetriebe und Institutionen das Fest. Etwa die Hälfte von ihnen war mit einem eigenen Stand vor Ort vertreten. Darunter befand sich auch das Start-up Focused Energy, das sein geplantes Laserfusionskraftwerk am Standort Biblis präsentierte. Das Logistik-Unternehmen DHL Group hatte eine Carrera-Bahn aufgebaut, die bei den Gästen für Unterhaltung sorgte. Die Landesvertretung selbst, die vor 25 Jahren im Jahr 2001 eröffnet wurde, fungiert als eine Art Botschaft Hessens in der Hauptstadt. Ihre Mitarbeiter verfolgen aus der Nähe bundespolitische Entwicklungen und bringen die hessischen Interessen ein. Auf dem Gelände mitten in Berlin wachsen sogar mehrere Reben auf einem kleinen Weinberg.
Die AfD-Fraktion im hessischen Landtag äußerte sich kritisch zu dem Fest. Der Fraktionsvorsitzende Robert Lambrou nannte den Aufwand «aus der Zeit gefallen». Dennoch seien auch AfD-Vertreter vor Ort, damit das gesamte hessische Parlament vertreten sei. «Mit unserer Anwesenheit setzen wir auch ein Zeichen gegen die Ausgrenzung und Anfeindung der AfD», ergänzte Lambrou. Er bezweifelte jedoch, ob ein Hessenfest in Berlin der effizienteste Weg sei, hessische Interessen in der Hauptstadt zu artikulieren.
Die Vertreter der anderen Fraktionen im Landtag begrüßten dagegen das Fest als wichtiges Event zum Netzwerken und zur Präsentation Hessens. Landtagspräsidentin Astrid Wallmann (CDU) betonte: «Der große Garten der Landesvertretung ist ein echtes Alleinstellungsmerkmal im Herzen Berlins. Und so steht er sinnbildlich für uns Hessen: im Zentrum und in guter Nachbarschaft zu seinen Freunden.» Die CDU-Fraktionsvorsitzende Ines Claus lobte, dass sich das Hessenfest zu einem bedeutenden Ereignis auf der Berliner Parkett-Landschaft entwickelt habe. «Mein Eindruck ist, dass ganz Berlin an dem Abend in der hessischen Landesvertretung dabei sein möchte», sagte sie. Das Fest bringe ein Stück Hessen nach Berlin.
Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Mathias Wagner hob die unkomplizierte Gesprächsatmosphäre hervor: «Es ist eine gute Gelegenheit zum Austausch – und das auch noch in der angenehmen Atmosphäre im Garten der Landesvertretung. So findet manches Gespräch statt, das sich sonst vielleicht nicht ergeben oder eine aufwendige Terminfindung erfordert hätte.» Für den FDP-Fraktionsvorsitzenden Stefan Naas ist das Fest «Werbung für unser Bundesland, seine Unternehmen und Markenbotschafter». Jahr für Jahr sei die Feier eine gute Gelegenheit zum Netzwerken über die hessische Ebene hinaus. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Tobias Eckert ergänzte: «Das Hessenfest in Berlin ist mehr als eine reine Abendveranstaltung. Hessen präsentiert sich und networkt dort im besten Sinne.» Die Außenanlage der Landesvertretung sei für ein solches Event wie geschaffen: «Durch ihre Großzügigkeit bietet sie viel Platz für viele Gäste und das ideale Ambiente für einen solchen Sommerabend.»



