Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) will das Elterngeld grundlegend umbauen. Einem Gesetzentwurf zufolge, der dem Portal „Politico“ vorliegt und den das Ministerium bestätigt hat, soll die staatliche Leistung für Eltern künftig nur noch zwölf statt bisher 14 Monate gezahlt werden. Zugleich sollen Väter stärker in die Erziehungsarbeit eingebunden werden: Statt wie bislang zwei Monate sind künftig drei Monate pro Elternteil reserviert. Mit der Reform will die Bundesregierung nicht nur die Partnerschaftlichkeit fördern, sondern auch rund 500 Millionen Euro pro Jahr einsparen.
Das Elterngeld wurde 2007 eingeführt, um Paare zur Familiengründung zu ermutigen und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu verbessern. Bislang erhalten Berechtigte mindestens 300 Euro und höchstens 1.800 Euro pro Monat, wobei die Höhe 65 Prozent des durchschnittlichen Nettoeinkommens beträgt. Seit dem 1. April 2025 liegt die Einkommensgrenze bei 175.000 Euro zu versteuerndem Jahreseinkommen; wer mehr verdient, bekommt kein Elterngeld mehr. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts bezogen im Jahr 2025 rund 1,61 Millionen Menschen die Leistung, darunter 1,19 Millionen Frauen und 417.000 Männer. Der Anteil der Väter lag zuletzt bei 25,9 Prozent. Die Ausgaben des Bundes für das Elterngeld sanken in den vergangenen Jahren kontinuierlich – von gut 7,6 Milliarden Euro im Jahr 2022 auf knapp 7,1 Milliarden Euro im Jahr 2025, was vor allem auf den Geburtenrückgang zurückzuführen ist.
Der nun vorgelegte Entwurf sieht vor, dass jedem Elternteil künftig drei Monate Elterngeld fest zugeteilt sind. Die verbleibenden sechs Monate können die Eltern flexibel untereinander aufteilen. Alleinerziehende sollen weiterhin bis zu zwölf Monate volles Elterngeld erhalten können. Gleichzeitig plant Prien eine Anhebung der Beträge: Der Mindestsatz soll von 300 auf 330 Euro steigen, der Höchstsatz von 1.800 auf 1.900 Euro. Die grundsätzliche Regelung, dass das Elterngeld 65 Prozent des Nettoeinkommens beträgt, bleibt bestehen. Der Entwurf enthält zudem eine Änderung des Mutterschutzgesetzes: Arbeitszeitliche Beschäftigungsverbote sollen künftig auf zwölf Monate nach der Entbindung beschränkt werden. Das Familienministerium betonte jedoch, dass der Gesetzentwurf noch in der Ressortabstimmung sei und die Regierung sich erst final einigen müsse, bevor das Parlament darüber entscheidet.
Die geplanten Kürzungen stoßen bereits auf deutliche Kritik. Der Deutsche Frauenrat warnte, der Etat des Familienministeriums werde im kommenden Jahr um acht Prozent schrumpfen, bis 2029 sogar um bis zu ein Fünftel. „Die Bundesregierung hat jungen Menschen im Koalitionsvertrag versprochen, ihre Familienplanung mit einer verbesserten Leistung zu stärken“, erklärte die Vorsitzende Beate von Miquel. „Nun soll im nächsten Jahr allein hier eine halbe Milliarde eingespart werden. Mütter werden diese Kürzungen zulasten der eigenen Berufstätigkeit kompensieren.“ Auch das Zukunftsforum Familie sprach sich gegen die Einsparungen aus und forderte stattdessen eine Anhebung des Mindestbetrags auf 506 Euro sowie eine regelmäßige Dynamisierung der Leistung.
Bereits im Koalitionsvertrag von Union und SPD aus dem Jahr 2025 waren Änderungen am Elterngeld vereinbart worden. Darin hieß es: „Wir entwickeln das Elterngeld weiter, indem wir mehr Anreize für mehr Partnerschaftlichkeit, insbesondere mehr Väterbeteiligung in alleiniger Verantwortung setzen.“ Eine im Jahr 2025 veröffentlichte Umfrage der Bertelsmann-Stiftung unter 2.500 Menschen zeigt, dass viele Eltern eine gleichmäßigere Aufteilung befürworten: 45 Prozent der Frauen und 42 Prozent der Männer sprachen sich für ein „egalitäres Modell“ aus, bei dem jedes Elternteil sieben Monate Elternzeit nimmt. 39 Prozent unterstützten die bisher übliche Verteilung von zwölf Monaten für die Mutter und zwei Monaten für den Vater. Die Autoren der Studie kamen zu dem Schluss, dass mehr Vätermonate volkswirtschaftlich sinnvoll seien, da Frauen schneller in den Beruf zurückkehren könnten, was den Fachkräftemangel mindern würde. Die häufigste Antwort auf die Frage, was Eltern in der Kinderphase sonst noch helfen würde, war mit 44 Prozent: „Weniger Behördenkram und eine leichtere Antragstellung.“



