Der ehemalige parlamentarische Staatssekretär im Gesundheitsministerium, Tino Sorge (CDU), hat sich in einer schriftlichen Erklärung scharf von Bundeskanzler Friedrich Merz distanziert. Sorge, der seinen Posten im Zuge einer größeren Personalrochade der Union verliert, bemängelte vor allem die Art und Weise seiner Entlassung. Merz habe die Entscheidung nicht in einem persönlichen Gespräch mit ihm getroffen, sondern über Parteigremien und die Presse verkünden lassen – das bezeichnete Sorge als «eigene Stilfrage».

In der am Dienstag verbreiteten Erklärung heißt es weiter: «Die Entscheidung des Bundeskanzlers nehme ich zur Kenntnis. Dass er sie – anstelle eines persönlichen Gesprächs mit mir – zuerst in Parteigremien und vor der Presse verkündet hat, bleibt seine eigene Stilfrage.» Sorge, der aus Sachsen-Anhalt stammt, deutete an, dass die Personalie auch mit Blick auf die bevorstehenden Landtagswahlen problematisch sein könnte. Er schrieb: «Angesichts der Ereignisse der letzten Tage und am Vorabend mehrerer Landtagswahlen wird der Bundeskanzler diese Entscheidung mit Bedacht getroffen haben.» Die Formulierung gilt als ironische Spitze gegen Merz' Führungsstil.

Sorge bezweifelt zudem eine übergeordnete Strategie hinter dem Umbau der Regierungsspitze. «Zu hoffen bleibt, dass sie einer übergeordneten Logik folgt, die größer ist als die Summe einzelner Personalentscheidungen», schrieb der Abgeordnete. Er listete zentrale gesundheitspolitische Aufgaben auf, die nun von seinem Nachfolger übernommen werden müssten, und wünschte dem neuen Gesundheitsminister Carsten Linnemann «alles erdenklich Gute und viel Erfolg».

Die bisherige Sport-Staatsministerin im Kanzleramt, Christiane Schenderlein, soll Sorge im Gesundheitsministerium ablösen. Sie reagierte gelassen und dankte Merz für die neue Aufgabe. Schenderlein verwies auf «hervorragende Anknüpfungspunkte» zwischen den Ressorts, etwa die Zusammenarbeit mit Wohlfahrtsverbänden und die Zuständigkeit des Gesundheitsministeriums für Bewegungsförderung. Anders als Sorge vermied sie jede Kritik am Kanzler.

Der Unmut in der Union über Merz' Personalentscheidungen wächst jedoch. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur gab es in den Spitzengremien der CDU massive Kritik an seinem Führungsstil. Besonders heftig fiel die Reaktion aus Rheinland-Pfalz aus, wo der Landesverband gegen die geplante Entlassung von Verkehrsminister Patrick Schnieder protestierte. Wahlkämpfer in Ostdeutschland zeigen sich verärgert über das Bild, das die Partei nur sechs Wochen vor der ersten von drei Landtagswahlen im September abgibt.

Merz hatte die Rochade eigentlich als Signal der Erneuerung geplant. Nach dem umstrittenen Reformpaket sollten auch personelle Veränderungen neuen Schwung in Regierung, Fraktion und Partei bringen. Stattdessen sorgen die Entscheidungen für öffentliche Kritik und innere Spannungen. Der scheidende Gesundheitsstaatssekretär Sorge hat mit seiner beißenden Kritik einen weiteren Mosaikstein in das Bild einer tief verunsicherten Union gelegt.