Der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach hat Unionsfraktionschef Jens Spahn wegen dessen Elternschaft mit Hilfe einer Leihmutter in den USA den Rücktritt nahegelegt. Bosbach sagte im Deutschlandfunk, für viele in der Union sei ein Punkt erreicht, wo sie sagten, jetzt sei Schluss. Er hoffe, dass Spahn seiner Fraktion eine monatelange Rücktrittsdebatte erspare. Die Diskussion um Spahns Vaterschaft per Leihmutterschaft hat in der CDU eine schwere Glaubwürdigkeitskrise ausgelöst.
Bosbach warf Spahn in einem Interview mit der Welt einen «moralischen Rechtsbruch» vor. «Du kannst dich doch nicht selber von ethischen Standards suspendieren, die du über Jahre vertreten hast», kritisierte der langjährige CDU-Politiker. Spahn habe als Privatmann gegen Beschlüsse seiner eigenen Partei gehandelt. Die CDU hatte sich in der Vergangenheit mehrfach klar gegen Leihmutterschaft ausgesprochen und diese als ethisch problematisch bewertet. Nun stehe Spahn als Fraktionschef in der Verantwortung, die er durch sein persönliches Verhalten untergrabe.
Die Rücktrittsforderungen an Spahn nehmen innerhalb der Union stetig zu. Nach Bosbachs öffentlicher Aufforderung hat sich nun auch der Heimatverband von Kanzler Friedrich Merz den Forderungen angeschlossen. Der Verband, der Merz‘ politische Basis in seiner Heimatregion repräsentiert, erklärte, Spahn habe durch sein Verhalten das Vertrauen in die Führung der Unionsfraktion beschädigt. Die «Seele der Partei sei wundgescheuert», sagte Bosbach mit Blick auf die anhaltenden internen Konflikte.
Auch aus anderen politischen Lagern kommt scharfe Kritik. Die FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann bezeichnete Spahn öffentlich als «Heuchler». Sie warf dem Unionsfraktionschef vor, mit zweierlei Maß zu messen: Einerseits habe er als Politiker jahrelang eine restriktive Haltung zur Leihmutterschaft vertreten, andererseits habe er selbst diese Möglichkeit für seine eigene Familie genutzt. Die Liberale forderte Spahn ebenfalls zum Rücktritt auf.
Spahn selbst hat sich inzwischen zu den Vorwürfen geäußert. Er betonte, dass es sich um eine private Entscheidung handele, die er mit seiner Familie getroffen habe. Die Kritik aus den eigenen Reihen wies er zurück. Er sehe keinen Grund für einen Rücktritt, da er als Fraktionschef weiterhin die politischen Ziele der Union vertrete. Die Debatte um seine Person lenke jedoch von den eigentlichen politischen Aufgaben ab, so Spahn.
Die Affäre um Spahns Vaterschaft per Leihmutterschaft hat in der CDU eine grundsätzliche Diskussion über ethische Standards und die Glaubwürdigkeit von Spitzenpolitikern ausgelöst. Mehrere CDU-Politiker fordern eine klare Positionierung der Partei zur Leihmutterschaft, um zukünftige Konflikte zu vermeiden. Die Fraktionsführung steht unter Druck, die Debatte schnell zu befrieden, bevor sie den politischen Alltag der Union weiter belastet. Beobachter sehen in dem Streit einen weiteren Riss in der ohnehin angespannten Parteistruktur.
Die Frage, ob Spahn seinen Fraktionsvorsitz behalten kann, wird die CDU in den kommenden Wochen weiter beschäftigen. Bosbachs Appell, eine langwierige Rücktrittsdebatte zu vermeiden, könnte den Druck auf Spahn erhöhen, selbst Konsequenzen zu ziehen. Bislang zeigt sich der Fraktionschef jedoch unbeeindruckt und setzt auf die Unterstützung seiner Anhänger in der Fraktion. Die nächsten Tage werden zeigen, ob die Rücktrittsforderungen weiter zunehmen oder ob Spahn die Krise aussitzen kann.



