Venedig hat mit seinem weltweit beachteten Eintrittsgeld für Tagestouristen in diesem Jahr mehr als fünf Millionen Euro eingenommen. Die Gebühr, die seit April an bestimmten Tagen erhoben wird, soll nach Angaben der Stadtverwaltung auch im kommenden Jahr gelten. Der neue Bürgermeister, der im Juni sein Amt antrat, hat bereits eine mögliche Erhöhung des Preises ins Gespräch gebracht.

Das Pilotprojekt der Lagunenstadt, das als erstes seiner Art weltweit gilt, verlangt von Tagesbesuchern fünf Euro pro Person an ausgewählten Hochfrequenztagen. Übernachtungsgäste, Einwohner, Pendler und bestimmte andere Gruppen sind von der Abgabe befreit. Die Einnahmen aus den vergangenen Monaten übertreffen nach städtischen Angaben alle Erwartungen. Allein zwischen April und Ende Juli kassierte die Stadt mehr als fünf Millionen Euro.

Die Gebühr dient jedoch nicht allein der Einnahmesteigerung. Ziel der Maßnahme ist es, den Massentourismus in der historischen Altstadt zu regulieren und die Lebensqualität für die etwa 50.000 Einwohner zu verbessern. Venedig leidet seit Jahren unter den enormen Besucherströmen, die zeitweise bis zu 100.000 Tagestouristen pro Tag in die engen Gassen und über die Plätze spülen. Kritiker bemängeln, dass der moderate Betrag von fünf Euro kaum abschreckend wirke und die Stadt eher als «Vergnügungspark» behandle.

Die Stadtverwaltung verteidigt das Modell: Die Zahl der Tagestouristen an den gebührenpflichtigen Tagen sei leicht zurückgegangen, während die Einnahmen in die Instandhaltung von Denkmälern, die Müllentsorgung und die öffentliche Sicherheit fließen. Zudem erhoffe man sich von den gesammelten Daten eine bessere Steuerung der Besucherströme. Der neue Bürgermeister, ein Mitglied der konservativen Partei, signalisierte in einem Interview, dass eine Anhebung der Gebühr auf bis zu zehn Euro denkbar sei, um die Wirkung zu verstärken.

Der Tourismusverband der Stadt steht dem Vorhaben zwiegespalten gegenüber: Einerseits brauche die Stadt dringend Mittel für den Erhalt der historischen Bausubstanz, andererseits dürfe die Eintrittsgebühr nicht zu einer weiteren Verteuerung des Venedig-Besuchs führen, die kleinere Reiseveranstalter und preisbewusste Reisende abschrecke. Die Wirtschaftskammer der Region Venetien hat bereits eine Folgenabschätzung angekündigt.

Bislang konnten Tagestouristen die Stadt an den meisten Tagen ohne Zahlung betreten. Die gebührenpflichtigen Tage konzentrierten sich auf Wochenenden und Feiertage in der Hauptsaison. Für das kommende Jahr plant die Stadtverwaltung, das System auf mehr Tage auszuweiten und die Voranmeldung per App zu verbessern, um Warteschlangen an den Zugängen zu vermeiden. Die Bürgermeisterin des benachbarten Festlands, die für die Region zuständig ist, drängt auf eine einheitliche Lösung für das gesamte UNESCO-Welterbe.

Venedig setzt mit diesem Vorstoß international ein Zeichen im Kampf gegen den Übertourismus. Andere europäische Städte wie Barcelona, Dubrovnik oder Amsterdam beobachten die Entwicklung genau und erwägen ähnliche Modelle. In Venedig selbst bleibt die Debatte kontrovers: Während viele Bewohner die Maßnahme begrüßen, fürchten Hoteliers und Restaurantbetreiber um ihre Umsätze. Die endgültige Entscheidung über die Fortführung und Ausgestaltung der Gebühr soll im Herbst fallen.