Bei einem historischen Besuch des französischen Präsidenten Emmanuel Macron in der syrischen Hauptstadt Damaskus sind am Dienstagmorgen mehrere Sprengsätze in der Nähe des Hotels explodiert, in dem der Staatschef untergebracht war. Nach Angaben der amtlichen syrischen Nachrichtenagentur SANA wurden dabei 18 Menschen verletzt, darunter vier Polizisten. Macron selbst befand sich zum Zeitpunkt der Detonationen nicht in dem Hotel, sondern im Präsidentenpalast zu Gesprächen mit dem syrischen Interimspräsidenten Ahmed al-Scharaa. Der Élysée-Palast bestätigte, dass es dem Präsidenten gut gehe und die Explosionen aus seiner Wagenkolonne nicht zu hören gewesen seien.
Die Explosionen ereigneten sich nach Informationen der französischen Zeitung „Le Figaro“ in unmittelbarer Nähe des Luxushotels „Four Seasons“. Eine der Bomben sei in einem Müllcontainer deponiert gewesen, eine weitere in einem Fahrzeug. Augenzeugen berichteten von lautem Sirenengeheul und einem Großeinsatz der Sicherheitskräfte. Ein Reuters-Reporter vor Ort hörte die Detonationen und sah Rauch aufsteigen. Die umliegenden Straßen wurden umgehend abgeriegelt. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte teilte mit, dass zunächst eine schwächere Explosion zu hören gewesen sei, gefolgt von einer zweiten, stärkeren Detonation wenige Sekunden später. Die Vorfälle hätten unter den Bewohnern der Stadt Besorgnis ausgelöst, Rettungskräfte und Krankenwagen seien sofort ausgerückt.
Macron ist der erste führende EU-Politiker, der Damaskus seit dem Sturz von Präsident Baschar al-Assad besucht. Der französische Staatschef war bereits am Montagabend mit al-Scharaa zusammengetroffen. Am Dienstagmorgen setzten die beiden Politiker ihre Gespräche im Präsidentenpalast fort, begleitet von einer französischen Wirtschaftsdelegation. Im Mittelpunkt der Verhandlungen stehen mögliche Investitionen in Syrien und der Wiederaufbau des Landes nach dem verheerenden Bürgerkrieg. Frankreich versteht sich traditionell als Schutzmacht des Nachbarlands Libanon und ringt gemeinsam mit der Türkei um Einfluss in der Region. Macron war bereits im Mai 2025 der erste westliche Staatslenker gewesen, der al-Scharaa zu einem Besuch in Paris empfangen hatte. Zuletzt hatte 2009 mit Nicolas Sarkozy ein französischer Präsident Syrien besucht.
Aus Sicherheitsgründen hatte das französische Präsidialamt vorab keine näheren Details zu den Programmpunkten des Besuchs mitgeteilt. Ein mitreisender Reuters-Journalist nahm die Vorfälle während der morgendlichen Termine des Präsidenten nicht wahr. Das syrische Staatsfernsehen berichtete später über das Treffen von Macron und al-Scharaa im Präsidentenpalast. Macron plante, von Damaskus aus zum Nato-Gipfel in die türkische Hauptstadt Ankara weiterzureisen. Die Explosionen werfen ein Schlaglicht auf die anhaltende Sicherheitslage in Syrien, das nach Jahren des Bürgerkriegs weiterhin von Instabilität und Gewalt geprägt ist. Die genauen Hintergründe der Anschläge waren zunächst unklar, die Ermittlungen dauern an.



