Ralph Siegel hat die Intensivstation verlassen. Drei Tage nach der Verlegung auf die Normalstation hat sich der 80-jährige Komponist erstmals seit seiner schweren Lungenentzündung selbst zu Wort gemeldet. Der Musikproduzent sagte der «Bild»-Zeitung: «Verhältnismäßig geht es mir gut. Wenn man im Krankenhaus ist, dann geht es einem eben dementsprechend. Sonst würde man ja gar nicht aufgenommen werden.»
Der Komponist hatte nach seiner Einlieferung wegen der Lungenentzündung 18 Tage in einem künstlichen Koma gelegen. Was in dieser Zeit geschah, weiß er nach eigenen Worten nur aus zweiter Hand. Seine Frau Laura habe ihm erzählt, dass er wochenlang überhaupt nicht ansprechbar gewesen sei. «Meine geliebte Frau Laura hat mir erzählt, dass ich wochenlang überhaupt nicht ansprechbar war. Davon habe ich nichts mitbekommen», berichtete er dem Blatt. Erst die Berichte seiner Frau hätten ihm ein Bild davon gegeben, wie kritisch sein Zustand gewesen sei.
Wie knapp er dem Tod entkommen ist, machte Siegel anhand der Worte seines Arztes deutlich. Es sei bereits das dritte Mal, dass er einer lebensbedrohlichen Situation entging. Diesmal sei es besonders knapp gewesen. Siegel war zuvor in Spanien gewesen; der Arzt habe ihm erklärt, dass dieser Aufenthalt beinahe tödlich geendet hätte. «Wenn ich noch einen Tag länger in Spanien geblieben wäre oder dort in irgendeine Klinik eingeliefert worden wäre, dann würde ich heute nicht mehr leben. Einen Tag später und ich wäre tot gewesen», sagte er. Der Mediziner habe ihn «noch einmal gerettet».
Dass Siegel wegen der Lungenentzündung in einer Münchner Klinik ins künstliche Koma versetzt worden war, wurde Anfang Juli bekannt. Sein Zustand hatte sich damals so weit verschlechtert, dass eine Behandlung auf der Intensivstation nötig wurde. Am 17. Juli bestätigte seine Ehefrau Laura, dass der 80-Jährige wieder wach und ansprechbar sei. «Die ganze Familie ist unendlich dankbar und erleichtert, dass er den ersten großen Schritt geschafft hat», sagte sie. Inzwischen hat der Komponist die Intensivstation verlassen können; die Behandlung wird nun auf der Normalstation fortgesetzt.
Auf der Normalstation muss Siegel nach den belastenden Wochen zunächst wieder zu Kräften kommen. In den vergangenen Wochen habe er viel Kraft verloren und könne im Moment nicht aufstehen, berichtete er. Seinen Zustand führt er auch auf seinen Lebensstil zurück. Der 80-Jährige machte deutlich, dass er die Folgen seiner langen Bewegungsarmut unterschätzt habe: «Ich habe die letzten drei Jahre, bis auf ein paar Termine und meinen Geburtstag, eigentlich nur im Bett oder auf dem Sofa gelegen. Ich habe unterschätzt, wie wenig ich mich bewegt habe und was das mit dem Körper macht.»
Ralph Siegel gilt als ESC-Legende, hat mehr als 2000 Lieder geschrieben und ist unter anderem für den ESC-Siegertitel «Ein bisschen Frieden» verantwortlich. Gesundheitlich hat der Komponist bereits mehrere schwere Krisen durchlebt: In den Jahren zuvor war er mehrfach schwer erkrankt, unter anderem an Krebs. Zudem leidet Siegel an der schmerzhaften Nervenkrankheit Polyneuropathie. Seine Frau hatte bereits nach dem Aufwachen die Erleichterung der Familie ausgedrückt.



