Jan-Lennard Struff hat bei den diesjährigen Wimbledon Championships ein historisches Kapitel seiner Karriere geschrieben. Der 36-jährige Deutsche erreichte erstmals das Viertelfinale eines Grand-Slam-Turniers und ist damit der älteste Tennisprofi der Open Era seit 1968, dem dieser Meilenstein gelang. Sein Erfolg kam unter dramatischen Umständen zustande: Im Achtelfinale gegen den Polen Hubert Hurkacz musste der Gegner im fünften Satz verletzungsbedingt aufgeben.
Die Partie hatte für Struff zunächst denkbar schlecht begonnen. Nach zwei verlorenen Sätzen mit 3:6 und 6:7 (5:7) lag der Sauerländer bereits mit 0:2-Sätzen zurück. Doch anstatt aufzugeben, kämpfte sich der Weltranglisten-41. zurück ins Match. Mit einem 7:6 (7:2) im dritten Satz und einem 7:5 im vierten Satz gelang ihm der Ausgleich. Als im entscheidenden fünften Satz beim Stand von 4:2 für Struff Hurkacz nicht mehr weiterspielen konnte, war der Einzug ins Viertelfinale perfekt.
Hubert Hurkacz, der frühere Wimbledon-Halbfinalist und ehemalige Top-Ten-Spieler, hatte bereits nach dem dritten Satz Rückenprobleme und ließ sich behandeln. Im vierten Satz verließ er bei 5:5 mitten im Spiel den Platz für eine medizinische Auszeit. Struff bemerkte die nachlassende Aufschlaggeschwindigkeit seines Kontrahenten: «Irgendwann habe ich gemerkt, dass er nicht mehr ganz so einen Speed im Aufschlag hatte», sagte der Deutsche nach dem Match. «Hinten raus hat man deutlich gemerkt, dass er Probleme hatte. Für mich war es tough – war Wahnsinn.»
Der 36-Jährige zeigte sich trotz des unerwarteten Endes zurückhaltend in seiner Freude. «Nur das Beste für Hubi», sagte Struff, der 2024 in München seinen bisher einzigen ATP-Titel gewonnen hatte. «Das Ende sei hart.» Gleichzeitig überwog der Stolz auf die eigene Leistung: «Es ist unglaublich. Dass das hier in Wimbledon passiert, ist einfach geil.» Struff hatte sich zuvor in seinem bisher größten Wimbledon-Match von den beiden verlorenen ersten Sätzen nicht beirren lassen und weitergekämpft.
Mit diesem Erfolg schreibt Struff Tennisgeschichte. Kein Spieler der Open Era war älter, als er sein erstes Grand-Slam-Viertelfinale erreichte. Der gebürtige Warsteiner, der in der Weltrangliste derzeit auf Platz 41 steht, hat sich damit in die Runde der letzten acht Spieler des traditionsreichsten Tennisturniers der Welt gespielt. Sein Gegner im Viertelfinale wird der italienische Titelverteidiger Jannik Sinner sein, sofern dieser seiner Favoritenrolle gegen den Japaner Shintaro Mochizuki gerecht wird. Sinner ist aktuell die Nummer eins der Weltrangliste.
Der deutsche Spitzenspieler Alexander Zverev hatte Struff den Erfolg bereits vor dem Achtelfinale gegönnt. «Das liebe ich an Struffi, der kann 37-mal in Folge erste Runde verlieren und dann auf einmal spielt er Viertelfinale beim Grand Slam», sagte der Hamburger. «Er ist ein riesiger Teddybär. Er hat, glaube ich, keinen Gramm Böses in sich.» Zverev selbst möchte am Montagabend im Achtelfinale gegen den Tschechen Jiri Lehecka antreten und ebenfalls das Viertelfinale erreichen. Bisher kam der Hamburger in London nicht über das Achtelfinale hinaus.
Für Struff ist Wimbledon damit das erfolgreichste Grand-Slam-Turnier seiner Karriere. Der 36-Jährige, der sich in den vergangenen Jahren immer wieder durch Verletzungen zurückkämpfen musste, hat sich mit diesem Erfolg nicht nur einen persönlichen Traum erfüllt, sondern auch ein Zeichen für die deutsche Tennislandschaft gesetzt. Das Viertelfinale gegen Jannik Sinner wird am Dienstag oder Mittwoch stattfinden und verspricht eine spannende Begegnung zwischen dem erfahrenen Deutschen und dem jungen italienischen Titelverteidiger zu werden.



