Junkr

Donnerstag, 10. September 2026 · Berlin

Suche

Kultur 4 Min. Lesezeit Von

Wolverine: Insomniacs Actionspiel bleibt solide, aber ideenarm

Insomniac Games wagt sich nach drei Spider-Man-Erfolgen an Wolverine. Das Ergebnis ist ein handwerklich sauberes Actionspiel, das jedoch kaum eigene Akzente setzt und die Stärken des Studios nicht nutzt.

Wolverine: Insomniacs Actionspiel bleibt solide, aber ideenarm
Marvel's Wolverine Review

Insomniac Games hat mit Wolverine ein Actionspiel vorgelegt, das den ikonischen Marvel-Helden technisch sauber in Szene setzt, dabei aber weitgehend im Rahmen des Genre-Üblichen bleibt. Nach drei gefeierten Spider-Man-Titeln ist die Erwartungshaltung an das Studio groß, doch der Wechsel von der quirligen Netzslinger-Action zur blutigen Nahkampf-Gewalt Logans erweist sich als weniger passgenau als erhofft. Das Spiel funktioniert, wirkt aber über weite Strecken wie eine Pflichtübung.

Die offensichtlichen Gründe für die Wahl des Charakters liegen auf der Hand: Das Studio verfügt über reichlich Erfahrung im Marvel-Universum, und Wolverine bietet sich für ein brutales Actionspiel geradezu an. Doch Spider-Man passte besser zur Insomniac-Formel aus weitläufigen Open Worlds, schwungvoller Fortbewegung und abwechslungsreichen Kampfsystemen. Wolverine hingegen verlangt nach einer anderen Herangehensweise, die das Spiel nur selten findet. Zwar ist Wolverine kein schlechtes Spiel, doch es bleibt ein solides, cineastisches und gelegentlich packendes Erlebnis, das die Erwartungen an ein Studio dieser Klasse nicht erfüllt.

Das Kampfsystem orientiert sich stark am bekannten Arkham-Vorbild: leichte und schwere Angriffe, Ausweichen, Parieren, Spezialfähigkeiten und Attributmodifikatoren. Wirklich unverwechselbare Elemente sind rar. Am ehesten sticht ein Sprungangriff hervor, mit dem sich Wolverine blitzschnell auf entfernte Gegner stürzen kann. Das fühlt sich zunächst wuchtig an, nutzt sich aber schnell ab, weil es sich fast gedankenlos einsetzen lässt. Deutlich mehr Substanz hat die Wut-Mechanik: Je mehr Gegner ausgeschaltet werden, desto stärker füllt sich eine Anzeige, bis Wolverine in einen Berserker-Zustand verfällt. In diesem Modus lassen sich Hinrichtungen aneinanderreihen, während die Optik entsättigt wird und Logans entfesselte Raserei unterstreicht. Für kurze Zeit entsteht so ein intensives, fast animalisches Kampfgefühl, das Spiel und Spieler miteinander synchronisiert.

Wer auf viszerale Gewalt hofft, wird reichlich bedient. Die Finisher sind blutig und brutal, ohne dabei auf billigen Schockeffekte zu setzen. Die Kälte, mit der Wolverine seine Gegner zerlegt, unterstreicht seine Rolle als effiziente Tötungsmaschine. Er zelebriert die Gewalt nicht, erledigt sie und macht weiter. Allerdings leidet das Kampfgefühl unter fehlendem Gewicht: Die Adamantium-Krallen wirken oft eher wie Nadeln denn wie Klingen, Treffer haben wenig Feedback, und Gegner reagieren kaum auf Angriffe. Immer wieder unterbrechen sie mitten in einer Combo, um selbst zuzuschlagen, was den Spielfluss stört und die erhoffte Machtfantasie untergräbt. Die Spezialfähigkeiten – etwa ein wirbelnder Krallenangriff oder ein Sprungknie – setzen dagegen deutlichere Akzente und können das Momentum zugunsten des Spielers verschieben.

Insgesamt bleibt Wolverine ein Spiel, das seine Aufgabe erfüllt, aber kaum darüber hinausgeht. Es verlässt sich auf bewährte Mechaniken, ohne die kreativen Stärken von Insomniac auszuspielen. Die treue Umsetzung der Figur geht auf Kosten von Originalität, und so entsteht der Eindruck, dass die authentischste Version von Wolverine zugleich die blasseste Verkörperung des Actiongenres ist. Für Fans des Charakters und der blutigen Action mag das ausreichen, doch als neues Kapitel im Marvel-Universum von Insomniac bleibt der Titel hinter den Möglichkeiten zurück.

Lukas Seifert

Autor

Sportredakteur

Lukas Seifert berichtet für Junkr über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.