Kultur 4 Min. Lesezeit Von Marlene Brandt
Roksanda Ilinčić zeigt erstmals Alltagskollektion bei London Fashion Week
Die Designerin Roksanda Ilinčić, bekannt für ihre Abend- und Occasionwear, präsentiert bei der London Fashion Week erstmals eine Kollektion für den Alltag. Damit erweitert sie ihr Angebot deutlich.
Die serbisch-britische Designerin Roksanda Ilinčić hat bei der London Fashion Week erstmals eine Kollektion für den Alltag vorgestellt. Bislang war ihr Label vor allem für aufwendige Abend- und Occasionwear bekannt, die von Prominenten und Mitgliedern europäischer Königshäuser getragen wird. Mit der neuen Linie öffnet sie ihr Sortiment nun für den täglichen Gebrauch.
«Ich weiß, was Frauen brauchen», sagte Ilinčić über den Schritt. Die Entscheidung, sich dem Alltag zuzuwenden, markiert eine strategische Erweiterung für das Label, das seinen Ruf auf spektakulären Roben und Bühnenoutfits aufgebaut hat. Die neue Kollektion soll die charakteristische Handschrift der Designerin – klare Linien, ausdrucksstarke Farben und skulpturale Silhouetten – in tragbarere Formen übersetzen.
Die Präsentation fand im Rahmen der London Fashion Week statt, einem der wichtigsten Schaufenster der internationalen Modeszene. Ilinčić zählt seit Jahren zu den festen Größen des britischen Modekalenders. Ihre Entwürfe werden regelmäßig auf roten Teppichen und bei Staatsempfängen gesehen, unter anderem von Mitgliedern der britischen Königsfamilie und internationalen Filmstars.
Mit dem Schritt in die Alltagsmode reagiert das Label auf eine veränderte Nachfrage. Kundinnen und Kunden suchen zunehmend nach Kleidung, die sich sowohl im Alltag als auch zu besonderen Anlässen tragen lässt. Die Grenze zwischen Laufsteg und Alltag verschwimmt in der Modebranche seit einigen Jahren zunehmend. Designer, die ursprünglich für ihre Abendgarderobe bekannt waren, erweitern ihr Angebot zunehmend um tragfähige Essentials.
Für Ilinčić bedeutet die neue Kollektion auch eine wirtschaftliche Öffnung. Occasionwear ist ein Nischenmarkt mit begrenzter Zielgruppe. Alltagskleidung spricht ein deutlich breiteres Publikum an und ermöglicht höhere Stückzahlen. Ob die Rechnung aufgeht, wird sich am Markt zeigen. Die Reaktionen auf die Präsentation in London gelten in der Branche als erstes Signal.
Die Designerin hat sich in der Vergangenheit nicht nur durch ihre Entwürfe, sondern auch durch ihre Haltung profiliert. Sie setzt sich für Diversität und Inklusion in der Modebranche ein und hat wiederholt betont, dass Kleidung für unterschiedliche Körper und Lebensrealitäten funktionieren muss. Dieser Anspruch dürfte auch die neue Alltagskollektion prägen.
Die London Fashion Week gilt als Plattform für junge und etablierte Designer gleichermaßen. Neben großen Namen wie Burberry und Erdem zeigen dort regelmäßig Nachwuchstalente ihre Arbeiten. Für Ilinčić ist die Präsentation der Alltagskollektion ein neues Kapitel in einer Karriere, die seit über einem Jahrzehnt zu den konstantesten der britischen Mode zählt.
Ob die Kollektion den Erwartungen gerecht wird, werden Kundinnen und Kritiker in den kommenden Monaten beurteilen. Klar ist: Die Designerin wagt einen Schritt, den viele ihrer Kolleginnen und Kollegen in ähnlichen Positionen bisher gescheut haben. Sie verlässt die sichere Nische der Abendmode und stellt sich dem breiten Alltagsmarkt.



