Kultur 4 Min. Lesezeit Von Leonie Vogt
«Lioness»-Finale: Aaliyah kehrt zurück und Joe verliert ihr Zuhause
Das Finale der dritten Staffel von «Lioness» bringt eine blutige Rachegeschichte und einen familiären Scherbenhaufen: Aaliyah ist zurück, Joe muss den endgültigen Bruch mit Neal verkraften, und die Zukunft der Einheit steht auf der Kippe.
Das Finale der dritten Staffel von «Lioness» hat in 70 Minuten eine Menge erzählt und zugleich einen Ausblick auf eine mögliche vierte Staffel geliefert. Die wichtigste Enthüllung: Aaliyah ist zurück – und sie will Rache. Schon in der ersten Staffel hatte Cruz mit dem Team ihr Leben zerstört. Dass sie nun wieder auftaucht, war absehbar, doch die Inszenierung des Moments sorgte für Spannung bis zur letzten Sekunde.
Aaliyahs Motiv ist nachvollziehbar: Cruz hatte sich ihr genähert, eine Beziehung vorgetäuscht und sie dann verraten. Dass sie nun das gesamte Team vor sich haben will, bevor sie zuschlägt, wirkt eiskalt kalkuliert. Sie hat zwei Staffeln lang gewartet und sich in der dritten Staffel bis auf eine Folge bedeckt gehalten – vermutlich, weil niemand eine Frau verdächtigen würde, deren Leben die Einheit bereits zerstört hat. Diese Strategie macht sie zu einer umso gefährlicheren Gegnerin.
Für Cruz dürfte die Wahrheit ein Schock sein. Sie hatte von Anfang an mit ihrer Rolle im Lioness-Programm gehadert, gerade weil sie Aaliyah tatsächlich etwas bedeutete. Die Vorstellung, dass ihre frühere Zielperson nun hinter allem steckt, dürfte sie schwer treffen. Wie sie reagieren wird, ist offen – klar ist nur, dass die Dynamik der Serie sich grundlegend verändert hat.
Joe hat das Finale überlebt, doch der Preis ist hoch. Nach ihrer Flucht in der siebten Folge stürzte sie sich sofort wieder in die Mission, obwohl sie dringend eine Pause gebraucht hätte. Ihre Entscheidung, das Team in dem Restaurant eingreifen zu lassen, während Renat und Sokolow anwesend waren, war ein schwerer Fehler. Dass das Lioness-Team für derartige Abweichungen von den CIA-Vorgaben oft ungeschoren davonkommt, könnte sich nun rächen.
Noch härter trifft Joe jedoch der private Verlust. Neal hatte sie über die gesamte Staffel hinweg angefleht, einen Schreibtischjob anzunehmen und sich nicht länger in Gefahr zu begeben. Als sie sich weigerte, nach Hause zurückzukehren, war das für ihn offenbar der Wendepunkt. Die Rückkehr in ein leeres Haus, in dem die Sachen ihres Mannes und ihrer Töchter fehlen, markiert das Ende ihrer Ehe – zumindest vorerst. Den Inhalt des Briefes erfährt das Publikum nicht, doch die Botschaft ist eindeutig.
Für Joe bedeutet das eine gefährliche Verschiebung. Ohne Familie, zu der sie zurückkehren kann, dürfte sie noch kompromissloser in die nächste Mission gehen. Schon jetzt gilt sie als unberechenbar, doch nun scheint etwas in ihr endgültig umgeschlagen zu sein. Das verspricht Zoe Saldaña in der Rolle der Joe noch mehr intensives Material – und der Figur eine dunklere Zukunft.
Kritik verdient indes der Umgang mit Oleksandra. Ihre Motive waren seit der vierten Folge unklar, doch sie hatte mehrfach ihren Kopf riskiert, um dem Team zu helfen. Dass sie ohne stichhaltige Beweise als Verräterin dargestellt und schließlich getötet wurde, wirkt unbefriedigend. Eine bessere Verwendung ihrer Figur wäre möglich gewesen.
Insgesamt hinterlässt das Finale eine Einheit, die verwundbarer ist als je zuvor. Aaliyahs Racheplan, Joes Verlust und die offenen Fragen um Cruz und die Zukunft des Programms bilden die Grundlage für eine mögliche vierte Staffel, die die Serie in eine deutlich düstere Richtung führen dürfte.



