Kultur 5 Min. Lesezeit Von Moritz Albrecht
«Lanterns» Staffel 1, Folge 6: Ein Mordfall bremst die Serie aus
Die sechste Folge von «Lanterns» wechselt vollständig in die Zeitebene 2026 und rückt die Ermittlungen zu Hals Tod in den Mittelpunkt. Der drastische Tonwechsel nach dem actionreichen Höhepunkt der fünften Folge sorgt für gemischte Gefühle.
Die sechste Folge der ersten Staffel von «Lanterns» markiert einen deutlichen Wendepunkt für die Serie. Nachdem die fünfte Folge mit der Zerstörung von Rushville, der Enthüllung des Manhunters und dem endgültigen Zerwürfnis zwischen John Stewart (Aaron Pierre) und Hal Jordan (Kyle Chandler) einen dramatischen Höhepunkt erreicht hatte, wechselt die Handlung nun vollständig in die Zeitebene des Jahres 2026. Dort steht die Aufklärung von Hals mutmaßlichem Mord im Mittelpunkt.
Dieser Wechsel bringt jedoch ein strukturelles Problem mit sich. Die Serie hatte die 2026er-Zeitlinie bereits in der Pilotfolge angeteasert, ließ sie dann aber einen ganzen Monat lang ruhen. Stattdessen wurde die Haupthandlung in der Vergangenheit weiterentwickelt, bis Folge 5 als actiongeladener Höhepunkt mitten in der Staffel fungierte. Der Sprung von diesem Spektakel zu einer ruhigeren, düsteren Mordermittlung fühlt sich für viele Zuschauer wie eine Achterbahnfahrt an, die ihren Gipfel bereits hinter sich hat.
Das eigentliche Problem der zehnjährigen Zeitspanne liegt darin, dass die Serie ihr größtes Pfund verliert: die Dynamik zwischen den beiden Green Lanterns. Da Hal tot ist, bleibt für das Duo nur eine einzige gemeinsame Szene in einem Diner, die Stunden vor seinem mysteriösen Tod spielt. Diese Szene ist zwar herausragend gespielt – Chandler zeigt einige seiner besten Momente der Serie und vermittelt die emotionale und physische Bürde eines Jahrzehnts –, reicht aber nicht aus, um die Lücke zu füllen.
Stattdessen versucht die Folge, die fehlende Präsenz von Hal durch Konflikte zwischen John und anderen Figuren auszugleichen. Seine Beziehungen zu Familienmitgliedern sind über die zehn Jahre sichtlich zerrüttet, und die Episode schafft es, diese Vorgeschichte elegant zu vermitteln, ohne zu sehr ins Erklärende abzudriften. Auch die Idee, dass John durch seine Rückkehr nach Rushville sich selbst in Gefahr bringt und in den Mordfall verwickelt wird, wird thematisiert. Es entsteht das Porträt eines Mannes, der versucht, sein sorgfältig aufgebautes Leben nach der Superhelden-Ära zu retten.
Dennoch gelingt es der Folge nicht, durchgehend zu fesseln. Besonders der Nebenstrang um die Kellnerin Maggie (Hannah Christine Shetler), die John erpresst, wirkt wie künstlich hinzugefügtes Charakterdrama. Die Autoren Justin Britt-Gibson und Damon Lindelof lenken damit von den drängenderen Fragen ab: Wer hat Hal getötet? Wo ist Sinestro (Ulrich Thomsen)? Und wie und warum wird John sein Schicksal als Green Lantern annehmen? Die Konzentration auf Johns rechtliche Probleme und die Rettung seines Architekturbüros erscheint dagegen wie eine Ablenkung.
Abgesehen von der frühen Dinerszene funktioniert die Episode am besten, wenn sie sich auf die Green-Lantern-Seite konzentriert. Endlich bekommt Nathan Fillion seinen lang versprochenen Auftritt als Guy Gardner. Er füllt die Lücke, die Hal hinterlässt, für einige Szenen und etabliert schnell eine unterhaltsame Dynamik mit John, die hoffentlich im kommenden Film «Man of Tomorrow» weiterentwickelt wird. Zudem wird geklärt, warum Guy und nicht Hal oder John der designierte Lantern im Film «Superman» von 2025 war.
Auch die Begräbnisszene funktioniert gut. Sie ist ein düster-amüsanter Tribut an Hal und zeigt, wie tief die Figur gefallen ist. Hal hatte erwartet, dass Würdenträger und Prominente von der Erde und aus dem All anwesend wären – doch es erscheinen nur zwei Ex-Freundinnen und ein ehemaliger Kollege, der ihn verabscheute. Ein schöner Moment ist der Auftritt von Carol Ferris (Amie MacKenzie), die ihre eigene turbulente Geschichte mit Hal andeutet. Doch wie bei vielen klassischen Green-Lantern-Figuren in dieser Serie bekommt man nicht genug von ihr, bevor sie wieder verschwindet.
Insgesamt ist Folge 6 ein enttäuschender Nachfolger der herausragenden Episode «Lights Out». Die Hoffnung bleibt, dass die siebte Folge die Handlung wieder straffer gestaltet. Die Tatsache, dass der «Halogram» wieder aktiv ist, deutet darauf hin, dass die Serie zur großartigen Chemie zwischen Pierre und Chandler zurückkehren kann. Es bleibt zu hoffen, dass sich die Erzählung wieder auf die wesentlichen Handlungsstränge konzentriert.



