Kultur 4 Min. Lesezeit Von Marlene Brandt
Halloween: The Game bringt Michael Myers mit neuem Twist ins asymmetrische Horror-Genre
IllFonics neues Spiel „Halloween: The Game“ hebt sich durch NPC-Bewohner und ein Stalking-System von anderen asymmetrischen Horror-Spielen ab. Der Titel fängt die Atmosphäre des Klassikers von 1978 ein und bietet sowohl als Killer als auch als Überlebender frische Mechaniken.
Michael Myers, der wohl berühmteste Slasher der Filmgeschichte, hat mit „Halloween: The Game“ seinen Weg in die Welt der asymmetrischen Multiplayer-Horrorspiele gefunden. Das Entwicklerstudio IllFonic, bekannt für Titel wie „Friday the 13th“ und „Predator: Hunting Grounds“, hat dabei jedoch kein bekanntes Konzept einfach neu eingefärbt, sondern dem Genre eine eigene Note verliehen. Das Spiel versteht es, die einzigartige Bedrohung durch den stoischen Killer aus dem Jahr 1978 authentisch einzufangen und gleichzeitig frischen Wind in ein inzwischen gut bespieltes Genre zu bringen.
Das Herzstück des Spiels ist die 4-gegen-1-Struktur, die Fans aus „Dead by Daylight“ kennen. Doch IllFonic fügt eine entscheidende Neuerung hinzu: Auf den Karten des fiktiven Ortes Haddonfield treiben sich nicht nur die vier spielergesteuerten Überlebenden herum, sondern auch zahlreiche NPC-Bewohner. Die Aufgabe des Teams ist es, diese Zivilisten vor Michael Myers zu warnen, zu beschützen und schließlich in Sicherheit zu bringen oder sie bis zum Ablauf des Runden-Timers zu verstecken. Diese Mechanik nimmt den Druck von den einzelnen Spielern, da das Scheitern eines Einzelnen nicht zwangsläufig das Ende der Runde bedeutet. Das Punktesystem belohnt nicht nur das bloße Überleben, sondern auch die Rettung möglichst vieler Bewohner, was dem Spiel eine weniger binäre Gewinn- und Verlustlogik verleiht.
Besonders gelungen ist die Umsetzung der Spielfigur Michael Myers selbst. Seine Fähigkeit „Shape Jump“ erlaubt es ihm, sich unsichtbar und schnell über die Karte zu bewegen und an dunklen Orten wieder aufzutauchen, was seine fast übernatürliche Präsenz aus den Filmen perfekt widerspiegelt. Anstatt jedoch einfach aufzutauchen und zu töten, wird der Spieler durch das Punktesystem dazu ermutigt, seine Opfer zuerst zu beobachten. Das Aufbauen eines Stalking-Meters belohnt geduldiges Verfolgen aus der Distanz und schaltet nach und nach spektakuläre Umwelt-Kills frei. So wirft Michael seine Opfer nicht nur mit dem Messer nieder, sondern durch Fernseher, in Kamine oder lässt sie wie verdrehte Gartenzwerge an Zäunen zurück. Diese Inszenierung trägt erheblich zur Horror-Atmosphäre bei und lässt den Spieler in die Rolle des unheimlichen Jägers schlüpfen, der seine Opfer regelrecht zelebriert.
Auch die Perspektive der Überlebenden bietet laut ersten Eindrücken ein erfrischendes Erlebnis. Das Ziel, andere Personen in Sicherheit zu bringen, ist neu und sorgt für eine andere Dynamik als in vergleichbaren Titeln. Die Balance zwischen dem scheinbar übermächtigen Michael und den Überlebenden stellt sich nach einigen Runden ein, wenn die Spieler lernen, sich zu organisieren. Gemeinsam können sie NPCs bewaffnen, Fluchtwege sichern und den Killer mit Taschenlampen, Feuerwerkskörpern und Nahkampfwaffen auf Abstand halten. Selbst wenn Michael einen packt, besteht die Chance, sich mit einem Taschenmesser oder einem Quick-Time-Event zu befreien. Ein koordinierter Angriff kann den Killer sogar zu Boden zwingen, was zwar nicht seinen Tod bedeutet, aber seinen Blutdurst-Meter deutlich reduziert.
Mit „Halloween: The Game“ ist IllFonic nach eigener Aussage das bisher optisch ansprechendste Spiel gelungen. Die Kombination aus der einzigartigen NPC-Mechanik, dem belohnenden Stalking-System und der treuen Umsetzung der Film-Atmosphäre macht den Titel zu einem eigenständigen Vertreter seines Genres. Das Spiel schafft es, sowohl Fans der Filme als auch Spieler, die auf der Suche nach neuen Ideen im asymmetrischen Multiplayer-Bereich sind, abzuholen.



