Kultur 5 Min. Lesezeit Von Lukas Seifert
Gears of War hätte Marcus Fenix schon vor Jahren töten sollen
Ein Kommentar argumentiert, dass die Reihe ihren Protagonisten nach Gears of War 3 hätte sterben lassen sollen, statt ihn über Jahre hinweg weiterzuführen, und kritisiert die Entwicklung seit dem Ende der Originaltrilogie.
Die Gears-of-War-Reihe gilt als eines der maskulinsten Franchises der Videospielwelt. Muskelbepackte Kämpfer zerlegen unterirdische Monster mit Kettensägen-Bajonetten, bis sie von Blut und Eingeweiden bedeckt sind. Gerade deshalb wirken die ruhigen Momente der Serie besonders stark: stille Szenen in der postapokalyptischen Welt oder Gespräche der Hauptfiguren, wenn alles verloren scheint. Unter der Oberfläche erzählt das Spiel laut dem Autor eine tief gehende Geschichte über Trauer, in der Marcus Fenix versucht, eine Menschheit zu retten, die bereits am Rand der Auslöschung steht.
Fenix sei trotz seiner Muskeln und seines Auftretens keineswegs unfehlbar. Er werde immer wieder mit dem Unmöglichen beauftragt, die menschliche Rasse vor der ständigen Gefahr der Vernichtung zu bewahren. Der Autor beschreibt ihn als jemanden, der zum Scheitern verurteilt sei und irgendwann zusammen mit seinen Kameraden fallen müsse, bis eine neue Generation den Kampf übernimmt. Aus erzählerischer Sicht ergebe dies nach seiner Einschätzung durchaus Sinn, und der ikonische Held hätte auf diese Weise endlich die Ruhe bekommen, die ihm zusteht.
Der Autor schildert, dass er Fenix seit dem ersten Auftritt in den düsteren Straßen einer gefallenen Stadt als tragische Figur betrachtet. Er kämpft einen aussichtslosen Krieg, nachdem er aus einer ungerechtfertigten Haft befreit wurde, und muss in der gesamten Originaltrilogie zusehen, wie enge Freunde ihren inneren Dämonen erliegen oder einem Feind zum Opfer fallen, der keine Schwäche zeigt. Besonders das Spiel E-Day, das die Welt im Zerfall zeigt, nutze dieses Gefühl der Ausweglosigkeit, indem eine jüngere Heldengeneration zum Handeln gezwungen wird. Der Anfang dieses Spiels wird vom Autor ausdrücklich gelobt, der weitere Verlauf der Kampagne hingegen als vorhersehbar und mittelmäßig bezeichnet.
Die eigentliche Frage des Textes betrifft das Ende der Figur. Nach Gears of War 3, als die Locust besiegt sind und der Menschheit eine Zukunft gesichert scheint, habe Fenix seinen natürlichen Abschluss gefunden. Dass er dennoch in der Serie präsent blieb, führt der Autor auf den Wunsch zurück, beliebte Franchises am Leben zu halten und Millionen Fans nicht zu enttäuschen. Laut dem Text gab es zudem einen Zeitpunkt, an dem die Reihe den Planeten Sera tatsächlich hinter sich lassen wollte. Creative Director Chuck Osieja erklärte 2016 im Rahmen einer Titelgeschichte im Magazin Game Informer, The Coalition habe ursprünglich erwogen, Gears auf einen neuen Planeten mit einer komplett neuen Besetzung zu verlegen, die nur lose mit der bisherigen Handlung verbunden gewesen wäre. Nach dem Ausscheiden von Epic Games habe man sich jedoch für das vorhersehbarste aller Ziele entschieden.
Im Ergebnis hat Marcus Fenix einen Sohn, die Locust kehren zurück, und die Menschheit findet sich erneut in der Defensive wieder. Gears of War 4 stellte eine neue Figurengruppe um JD Fenix, Kait Diaz und Del Walker in den Mittelpunkt. Marcus selbst hat sich nach dem Tod seiner Frau und der jahrelangen Belastung durch den Krieg in die Wildnis zurückgezogen und ist seinem Sohn gegenüber verbittert, weil dieser einer Armee beigetreten ist, die er ablehnt. In Gears 5 verlagerte sich der Fokus auf Kait und die neue Bedrohung. Dort muss der Spieler im letzten Akt entscheiden, ob JD oder Del gerettet wird, während der andere vor den Augen des Spielers stirbt. Da die Trilogie zugunsten des Prequels E-Day aufgegeben wurde, bleiben die Folgen dieses Verlusts laut dem Autor unerzählt. Selbst Marcus wirke vom Tod seines einzigen Sohnes erstaunlich unbeeindruckt, obwohl hier ein Moment hätte liegen können, in dem Jahrzehnte aus Wut, Trauer und Verbitterung zu etwas Bedeutendem zusammengeführt werden.
Der Autor vertritt deshalb die Ansicht, Marcus Fenix hätte bereits in Gears of War 4 sterben sollen, als er den Staffelstab an eine neue Generation weitergibt. Nicht durch einen grausamen Tod durch eine Horde Locust, sondern indem er sein Leben für Menschen opfert, denen er etwas bedeutet, und damit die Hoffnung hinterlässt, dass der Kampf sich lohnt. Stattdessen durchlebe die Figur nun einen neuen Abschnitt als verbitterter alter Mann, der sich vor der Welt verschließt, die er einst gerettet hat. Ob die Reihe diesen Weg fortsetzt, bleibt offen. Der Text stellt lediglich fest, dass die Entscheidung, die Figur am Leben zu lassen, aus Sicht des Autors die erzählerischen Möglichkeiten der Serie verschenkt hat.
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