Kultur 4 Min. Lesezeit Von Moritz Albrecht
Dolly Parton arbeitet an Avatar-Auftritten für die Zukunft
Dolly Parton erkundet neue Wege für Live-Auftritte: Die Country-Ikone arbeitet mit Unternehmen an sogenannten Avatar-Performances. Grund sind gesundheitliche Probleme, die sie zuletzt zum Absagen ihrer Vegas-Residency zwangen.
Dolly Parton plant offenbar ihre musikalische Zukunft jenseits der physischen Bühne. Die Country-Ikone erklärte in einem Interview mit dem Magazin „People“, dass sie und ihr Team mit Firmen zusammenarbeiten, die „Avatar-Performances“ entwickeln. Die Ideen befänden sich allerdings noch in einem frühen Entwicklungsstadium, präzisierte Parton, ohne weitere Details zu den geplanten digitalen Auftritten zu nennen.
Der Schritt kommt nicht überraschend: Die 79-Jährige hatte in den vergangenen Monaten wiederholt mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Im Mai musste sie ihre geplante Residency in Las Vegas absagen. Bereits im Oktober zuvor hatte sie eine Reihe von Shows im Colosseum im Caesars Palace verschoben und damals von mehreren „gesundheitlichen Herausforderungen“ gesprochen, die es ihr unmöglich machten, die Proben rechtzeitig abzuschließen.
Hintergrund der gesundheitlichen Probleme ist auch der Tod ihres Ehemanns Carl Dean, mit dem sie 58 Jahre verheiratet war. Er starb im vergangenen März. Parton sprach offen über ihre Trauer und deren Auswirkungen auf ihren Körper. „Ich war einfach abgenutzt und erschöpft, weil ich um Carl getrauert habe und wegen einiger anderer kleiner Dinge“, sagte sie im März bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt nach mehreren Monaten, einer Grundsatzrede in Dollywood. Sie habe sich erst wieder „spirituell, emotional und körperlich aufbauen“ müssen. „Aber alles ist gut. Es hat mich nicht ausgebremst.“
Die Nachricht über Partons Avatar-Pläne folgt auf eine ähnliche Ankündigung aus der Familie Osbourne. Für den im vergangenen Sommer im Alter von 76 Jahren verstorbenen Ozzy Osbourne soll ein KI-Avatar entstehen. Die Familie engagierte dafür die Tech-Firma Hyperreal. Die Ankündigung stieß jedoch auf gemischte Reaktionen: Einige Fans kritisierten das Vorhaben als „Abzocke“. Sharon Osbourne reagierte scharf auf die Kritiker und betonte, man brauche deren Geld nicht. Sohn Jack Osbourne verteidigte die Pläne auf seinem YouTube-Kanal und sagte, man lege Wert darauf, dass das Projekt „geschmackvoll“ umgesetzt werde und nicht „lahm“ wirke.
Parton selbst gehört zu den beliebtesten Persönlichkeiten in den USA. Ihre Fans sorgten sich zuletzt mehrfach um ihren Gesundheitszustand. Ihre Schwester Freida hatte im vergangenen Jahr auf Social Media um Gebete für Dolly gebeten und damit Ängste ausgelöst. In einem Folgebeitrag stellte sie klar, dass sie niemanden habe erschrecken wollen. Parton selbst beruhigte ihre Anhänger wenig später mit einem Video vom Set eines Werbedrehs für die Grand Ole Opry. „Ich weiß, dass alle denken, ich bin kränker, als ich bin“, sagte sie darin. „Sehe ich krank aus? Ich arbeite hier hart.“
Wie genau die geplanten Avatar-Auftritte aussehen könnten, ließ Parton offen. Die Entwicklung digitaler Bühnenauftritte gilt in der Musikbranche als wachsender Trend, insbesondere für Künstler, die aus gesundheitlichen oder anderen Gründen nicht mehr uneingeschränkt auf Tournee gehen können.



