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Disney+ zeigt Korea-Romantasy «The Remarried Empress» mit Shin Min-a und Ju Ji-hoon

Die Serie «The Remarried Empress» startet auf Disney+ als aufwendige Live-Action-Adaption eines populären Webtoons. Die ersten vier Folgen überzeugen mit Ausstattung und Chemie, schwächeln aber bei Figurenzeichnung und politischen Einsätzen.

Disney+ zeigt Korea-Romantasy «The Remarried Empress» mit Shin Min-a und Ju Ji-hoon
© ign.com

Auf Disney+ ist mit «The Remarried Empress» eine aufwendige koreanische Romantasy-Serie gestartet, deren erste vier Folgen einen zwiespältigen Eindruck hinterlassen. Die zehnteilige Live-Action-Adaption basiert auf einem Webroman, der als Webtoon auf der Plattform Naver rund drei Milliarden Aufrufe gesammelt hat. Für Disney, das im Streaming vor allem mit Prinzessinnen-Geschichten für Kinder und Familien punktet, ist die Produktion ein ungewöhnlich großer Schritt ins erwachsene Genre.

Im Zentrum steht Navier, gespielt von Shin Min-a, die Kaiserin des fiktiven Östlichen Kaiserreichs und Ehefrau von Kaiser Sovieshu, gespielt von Ju Ji-hoon. Die Ehe der beiden ist respektvoll, aber wenig leidenschaftlich, und kinderlos. Als Sovieshu die entflohene Sklavin Rashta, dargestellt von Lee Se-young, vor Kopfgeldjägern rettet, verliebt er sich in sie. Navier wird gezwungen, Rashta als kaiserliche Geliebte zu akzeptieren. Die klassische Aufstiegsgeschichte der armen Frau, die zur Prinzessin wird, eröffnet nach Ansicht des Rezensenten Potenzial zur Umdeutung des Musters, das die Serie in den ersten Folgen jedoch nicht ausschöpft.

Die größte Schwäche liegt laut der Besprechung bei den Figuren. Die Serie gibt Navier zwar mehr innere Tiefe als ihrer Webtoon-Vorlage, bleibt aber so nah an der Vorlage, dass sie als Identifikationsfigur kaum trägt. Ihr Stolz auf die adelige Hierarchie wirkt für das Publikum schwer nachvollziehbar. Sovieshu und Rashta wiederum werden im Verlauf der Folgen immer mehr zu Schurken-Karikaturen, was Navier zumindest relative Sympathie verschafft. Auch die politischen Folgen einer möglichen kaiserlichen Scheidung, die der Titel andeutet, bleiben bislang unklar.

Deutlich gelungener sind die Momente mit dem Prinzen Heinrey, gespielt von Lee Jong-suk. Er tritt zunächst als Vogel auf, der Navier geheime Botschaften eines unbekannten Verehrers überbringt. Der Zuschauer erfährt früh, dass sich hinter dem Vogel ein Mann verbirgt, der Thronfolger des Westlichen Königreichs ist. Erst in seiner menschlichen Gestalt, bei einem Neujahrsfest am Hof des Kaiserreichs, entfaltet die Figur ihre Wirkung. Die Tanzszene zwischen Navier und Heinrey greift die filmische Bildsprache von Jane-Austen-Adaptionen und «Bridgerton» auf und erzeugt schnell romantische Nähe. Heinreys charmante Respektlosigkeit bringt zudem Leichtigkeit in ein sonst sehr ernstes Figurendreieck.

Visuell setzt die Produktion klare Akzente. Der Palast ist vom europäischen Barock inspiriert, Kleidung und Etikette folgen westlichen Vorbildern, gedreht wurde in Tschechien und Deutschland. Diese Mischung aus westlicher Fantasy-Ästhetik mit koreanischer Besetzung und Erzählsensibilität verleiht der Serie einen eigenen Reiz, auch wenn sie über Macht und Politik bisher wenig Originelles zu sagen hat. Ein Großteil der Attraktivität liegt somit im Look und im Ensemble.

Für ein Streaming-Angebot, das große Romantasy-Serien bislang selten wagt, ist «The Remarried Empress» dennoch ein bemerkenswerter Versuch. Ob die Serie in den folgenden Episoden die Figurenschwächen auflöst und ihre Konflikte politisch aufwertet, muss sich zeigen. Die ersten vier Folgen liefern vor allem Ausstattung, Atmosphäre und einen charmanten Nebenhelden, während das Drama um Navier noch auf den Durchbruch wartet.

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Moritz Albrecht

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Redakteur vom Dienst

Moritz Albrecht berichtet für Junkr über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.