Eine mit einer Sprengvorrichtung bestückte Drohne ist am Flughafen Leipzig/Halle von Spezialisten der Bundespolizei entschärft worden. Die Polizei hatte das Gerät in der Nacht sichergestellt. Nach Angaben des Landeskriminalamtes (LKA) entfernten die Einsatzkräfte den Zünder der zunächst unbekannten Sprengvorrichtung. Die Generalstaatsanwaltschaft Dresden und das Polizeiliche Terrorismus- und Extremismus-Abwehrzentrum (PTAZ) haben die Ermittlungen übernommen; eine politische Motivation wird nicht ausgeschlossen. Die Sicherheitsbehörden sind alarmiert.

Die Drohne war nach LKA-Angaben von einem Mitarbeiter des Flughafens auf der südlichen Start- und Landebahn entdeckt worden. Sie lag nahe einer ukrainischen Transportmaschine vom Typ Antonow AN-124 Condor, wurde sichergestellt und mit einem Röntgengerät untersucht. Der Flugbetrieb kam zunächst vollständig zum Erliegen. Nach einer umfangreichen Kontrolle konnte die Nordpiste noch in derselben Nacht freigegeben werden; die Südpiste sollte aus Wartungsgründen am Mittwoch nicht genutzt werden.

Bei dem Vorfall musste ein Frachtflugzeug, das in Leipzig landen sollte, durchstarten. Dabei kollidierte die Maschine nach Angaben der Ermittler mit einem mutmaßlich zweiten unbekannten Flugobjekt. Nach der Landung in Hannover wurden leichte Beschädigungen festgestellt. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums bestätigte am Dienstag, dass das Flugzeug in Hannover landen konnte. Ob ein Zusammenhang zu der am Boden gefundenen Drohne besteht, blieb zunächst offen.

Die Ermittler stellten klar, dass zu keiner Zeit eine Gefahr für Leib und Leben von Passagieren oder Flughafenmitarbeitern bestanden habe. Der Passagierflugverkehr sei nicht beeinträchtigt gewesen. Der Leipziger Polizeisprecher Olaf Hoppe sagte, Unbefugte könnten nicht ohne Weiteres auf das Rollfeld gelangen; es liege nahe, dass das Objekt aus der Luft auf den Boden gelangt sei. Der Flughafen zählt zur kritischen Infrastruktur.

Sachsens Innenminister Armin Schuster (CDU) sprach von einem «sehr ernsten Sicherheitsvorfall». Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) erklärte, die Bedrohungslage in Deutschland habe eine neue Qualität erreicht. Eine mit einer Sprengvorrichtung bestückte Drohne mache unmissverständlich klar, dass die Sicherheit bedroht sei. Bund und Länder müssten den Schutz der Infrastruktur auch finanziell deutlich stärker berücksichtigen.

Bereits im Juli 2024 hatte es am Flughafen Leipzig einen schwerwiegenden Vorfall gegeben. Ein Paket mit einem Brandsatz war im DHL-Logistikzentrum in Leipzig entdeckt worden, bevor es an Bord eines Flugzeugs gelangen konnte. Deutschland kam damals nur knapp an einem Flugzeugabsturz vorbei. Zu einem möglichen Zusammenhang mit dem aktuellen Fall konnte das Bundesinnenministerium zunächst nichts sagen.

Drohnensichtungen haben in den vergangenen Jahren immer wieder den Flugverkehr an deutschen Flughäfen unterbrochen, auch in Leipzig. Im vergangenen Herbst musste der Betrieb am Flughafen München wegen Drohnen-Überflügen mehrfach eingestellt werden. Als Reaktion richteten Bund und Länder bei der Bundespolizei ein Gemeinsames Drohnenabwehrzentrum ein. Die Einrichtung dient dem Austausch zwischen Bund und Ländern.

Der Flughafenverband ADV forderte nach dem jüngsten Vorfall schnelleres Handeln. Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel sagte, Flughäfen seien sicherheitsrelevante Einrichtungen und brauchten den bestmöglichen Schutz. Drohnenabwehrsysteme müssten jetzt schnellstmöglich installiert und vollständig einsatzbereit gemacht werden. Nach Angaben des Verbandes warten unter anderem die Flughäfen in Berlin und München auf entsprechende Systeme.

Das ukrainische Luftfahrtunternehmen Antonow, dessen Transportmaschine in der Nähe der Drohne stand, ist seit 2006 mit einer Wartungsbasis am Flughafen Leipzig/Halle vertreten. Wegen des russischen Angriffskriegs hat das Unternehmen seine Flotte komplett auf den sächsischen Flughafen verlegt; sechs Maschinen sind dort stationiert. Ein neuer Wartungshangar soll in der ersten Jahreshälfte 2027 fertiggestellt werden.