Technologie 4 Min. Lesezeit Von Lukas Seifert
Xbox Game Pass vor grundlegender Umstellung: Bausteine statt Einheitsabo
Microsoft plant laut einem Bericht einen Umbau von Xbox Game Pass. Abonnenten sollen künftig einzelne Funktionen wie Cloud-Gaming, Multiplayer oder Konsolenspiele à la carte wählen können. Hintergrund sind sinkende Verkäufe teurer Eigenproduktionen und interne Zielkonflikte.
Microsoft plant offenbar eine umfassende Neugestaltung von Xbox Game Pass. Wie das Wirtschaftsmagazin Fortune unter Berufung auf mit der Strategie vertraute Personen berichtet, soll das Abo-Modell künftig stärker modular aufgebaut sein: Statt eines weitgehend einheitlichen Pakets sollen Spielerinnen und Spieler einzelne Bestandteile selbst zusammenstellen können.
Konkret ist von einer à-la-carte-Struktur die Rede, die auf einem mehrstufigen System basiert. Wählbar wären demnach unter anderem Zusatzpakete für reine Konsolenspiele, Cloud-Gaming und Multiplayer. Der Bericht ist Teil eines ausführlichen Porträts über Xbox-Chefin Asha Sharma, die den Posten erst seit rund einem halben Jahr innehat.
Der Hintergrund der geplanten Reform liegt in der widersprüchlichen Rolle des Dienstes für Microsoft. Game Pass hat dem Unternehmen ein stabiles Abo-Geschäft aufgebaut, ähnlich wie es Netflix im Film- und Serienmarkt vorgemacht hat. Zugleich aber kannibalisierte das Modell laut ehemaligen Mitarbeitenden die Verkäufe der teureren eigenen Spiele, besonders in der wichtigen Startphase eines Titels. Verschärft wurde das Problem durch konkurrierende interne Kennzahlen: Während das eine Team auf Abo-Erlöse schaute, richtete ein anderes den Blick auf Einnahmen aus dem Store.
Ein Umbau von Game Pass wäre nur eine von mehreren weitreichenden Entscheidungen unter Sharma. Sie hat bereits den Preis für Game Pass Ultimate gesenkt und Hideo Kojimas nächstes großes Projekt Physint gesichert, den geistigen Nachfolger von Metal Gear Solid. Zudem wurden zwei neue Geschäftsbereiche innerhalb von Xbox geschaffen, und die Verantwortung für die Halo-Reihe ging an Activision über. Sharma soll sich sogar persönlich um Support-Tickets von Kundinnen und Kunden kümmern und sich den neuesten Stand von The Elder Scrolls 6 angesehen haben.
Der Bericht beleuchtet außerdem die nächste Hardware-Generation. Demnach könnte die Konsole mit dem Arbeitstitel Project Helix zwischen 1.200 und 1.800 US-Dollar kosten, sofern Microsoft nicht einen Teil der Kosten subventioniert. Als möglicher Starttermin wird 2028 genannt. Ein neues Handheld-Gerät für Xbox könnte bereits Ende 2027 erscheinen, Details zur Ausstattung oder zum Preis gibt es bislang nicht. Project Helix beschreibt laut Bericht eine ganze Gerätefamilie aus Konsole und Handheld.
Als Preistreiber gelten unter anderem die durch den KI-Boom ausgelösten Engpässe bei Speicherchips und anderen Komponenten. Microsoft selbst gehört zu den größten Investoren in den Ausbau von KI-Infrastruktur und trägt damit zu dieser Knappheit bei. Sharma reagierte auf diesen Umstand mit der Bemerkung, es sei «wunderbar», dass GPUs inzwischen auch außerhalb des Gamings genutzt würden.
Intern gab es offenbar auch Streit um die Software der Geräte. Das Windows-Team wollte für das Handheld eine abgespeckte Version von Windows Home durchsetzen, während das Xbox-Team auf eine eigene, speziell entwickelte Plattform drängte. Ein namentlich nicht genannter hochrangiger Xbox-Manager soll damit gedroht haben, das gesamte Handheld-Projekt zu stoppen, falls Windows zum Einsatz käme. Inzwischen liegt die Richtung des Betriebssystems laut Bericht weitgehend bei Xbox, wobei Sharma betont, beide Teams arbeiteten zusammen: «Wir können Helix nicht allein bauen.»
Sharma hatte ihr Amt im Februar angetreten und sofort erklärt, Xbox befinde sich in einer ungesunden Lage. Zu ihren Maßnahmen zählen Stellenstreichungen, die Schließung von Studios und die Einstellung von Spielen. Rund 2.000 Arbeitsplätze sind bereits betroffen, weitere Kürzungen sollen in diesem Monat, im November und im Januar 2027 folgen.
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