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Freitag, 11. September 2026 · Berlin

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Tim Schafer: Double Fine ist wieder unabhängig und setzt auf Kickstarter

Nach der Trennung von Microsoft kehrt Double Fine als Indie-Studio zurück. Studio-Chef Tim Schafer spricht über die Rückkehr zur Unabhängigkeit, die Zukunft von Game Pass und seine Pläne für Brutal Legend 2.

Tim Schafer: Double Fine ist wieder unabhängig und setzt auf Kickstarter
'I Really Want Game Pass to Work' — After Navigating the Xbox 'Reset,' Double Fine Boss Tim Schafer Is Indie Once Again

Das Entwicklerstudio Double Fine ist nach sieben Jahren unter dem Dach von Microsoft wieder unabhängig. Studio-Chef Tim Schafer bezeichnete die Rückkehr zur Selbstständigkeit im Gespräch mit IGN als «erfrischend», aber auch als «beängstigend». Man müsse sich nun wieder selbst in der Welt behaupten, so Schafer. Vor der Übernahme durch Microsoft im Jahr 2019 war Double Fine bereits 19 Jahre lang unabhängig und habe in dieser Zeit viele Ideen entwickelt und erfolgreich präsentiert.

Die aktuelle Kickstarter-Kampagne für die «Amnesia Fortnight» ist für Double Fine ein wichtiger Schritt, um finanzielle Mittel für das nächste große Projekt zu sichern. Bei diesem Format handelt es sich um einen vom Studio selbst organisierten Game Jam, bei dem neue Micro-Games entstehen. Schafer beschreibt die Kampagne als eine Art Feier der Möglichkeiten, die das Studio nun wieder hat. Als unabhängiges Unternehmen kann Double Fine eigene Preise festlegen, kleine Spiele wie «Thank You Bus Driver» veröffentlichen und mit dem Label «Double Fine Action Labs» experimentelle Ideen umsetzen. Auch die Präsenz auf der PAX West 2026 mit eigenen kleinen Ständen wäre unter Microsofts Führung so nicht möglich gewesen, da der Konzern einen einzigen großen Stand bevorzugt.

Die enge Bindung zur Community spielt für Schafer eine zentrale Rolle. Die erste Kickstarter-Kampagne für «Broken Age» sei nicht nur finanziell bedeutsam gewesen, sondern habe auch gezeigt, wie stark die Fans das Studio unterstützen – finanziell und kreativ. Viele Anhänger wollten selbst Kunst schaffen. «Unsere Fans wollen nicht nur spielen, sondern auch lernen, wie man zeichnet oder programmiert», sagte Schafer. Diese Verbindung will Double Fine nun weiter ausbauen.

Mit Blick auf die sieben Jahre unter Microsoft zieht Schafer eine überwiegend positive Bilanz. Das Unternehmen habe viel in das Studio investiert, und die Zusammenarbeit sei lange Zeit eng und erfolgreich gewesen. Microsoft habe damals vor allem Game Pass und andere Projekte unterstützen wollen. Als sich die Ziele des Konzerns änderten, trennten sich die Wege. Schafer betont, dass er in dieser Zeit viel gelernt habe und die Erfahrung insgesamt wertvoll gewesen sei.

Game Pass sieht Schafer trotz der Trennung nicht grundsätzlich gescheitert. Er wolle, dass das Abo-Modell funktioniere. Allerdings müsse es sich für alle Beteiligten lohnen. Wie ein solches Modell nachhaltig funktionieren kann, ließ er offen. Klar ist für ihn: Die Rahmenbedingungen in der Spielebranche haben sich stark verändert. Viele ältere Entwickler seien nicht mehr da, und traditionelle Finanzierungswege seien weggefallen. Gleichzeitig entstünden neue Möglichkeiten, die Double Fine nun nutzen will.

Ein Thema, das Schafer immer wieder aufgreift, ist «Brutal Legend 2». In der Kickstarter-Kampagne war scherzhaft die Rede davon, dass eine Fortsetzung 100 Millionen Dollar kosten würde. Schafer stellte klar: Der Betrag war als Witz gemeint, aber er würde die Fortsetzung tatsächlich machen, wenn sich das Geld auftreiben ließe. Voraussetzung sei, dass Jack Black wieder mit an Bord wäre. «Wenn wir 100 Millionen Dollar bekommen, würden wir es auf jeden Fall tun», sagte Schafer. Er rechne zwar nicht damit, dass dieses Ziel erreicht wird, rief aber wohlhabende Fans dazu auf, sich zu melden, falls sie «Brutal Legend 2» sehen wollen.

Double Fine befindet sich damit in einer Phase des Umbruchs, die von Optimismus geprägt ist. Das Studio hat eine treue Fangemeinde, neue Finanzierungswege und den Willen, weiter kreative und ungewöhnliche Spiele zu entwickeln. Ob das Modell Game Pass langfristig eine Zukunft hat, bleibt abzuwarten. Für Schafer steht fest, dass Double Fine seinen eigenen Weg gehen will – unabhängig, experimentierfreudig und nah an der Community.

Leonie Vogt

Autor

Gesellschaftsreporterin

Leonie Vogt berichtet für Junkr über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.