Technologie 4 Min. Lesezeit Von Moritz Albrecht
Sonnenfinsternis mit dem Handy fotografieren: Was am 12. August wirklich zählt
Der Zoom ist nicht das Hauptproblem. Wer die partielle Sonnenfinsternis in Deutschland fotografieren will, braucht zuerst einen Sonnenfilter, Stabilität und freie Sicht nach Westen.
Am 12. August werden sehr viele Smartphones gleichzeitig in Richtung Sonne gehalten. In Deutschland ist die Finsternis partiell, in Berlin beginnt sie gegen 19.15 Uhr und erreicht um etwa 20.08 Uhr ihr Maximum. Im Südwesten wird die Abdeckung noch stärker. Das klingt nach einem perfekten Handy-Motiv – aber der wichtigste Foto-Tipp hat nichts mit Megapixeln zu tun.
Während der gesamten partiellen Phase braucht die Kamera einen geeigneten Sonnenfilter. Dasselbe gilt für die Augen. Eine normale Sonnenbrille schützt weder zuverlässig beim direkten Blick noch ersetzt sie einen Filter vor der Kameraoptik.
Kein Digitalzoom-Wettbewerb
NASA empfiehlt, die Aufnahme vorher zu üben und die Technik simpel zu halten. Digitaler Zoom macht die Sonne auf dem Display größer, bringt aber oft kaum neue Details. Je stärker man hineinzoomt, desto eher werden Verwacklungen und Artefakte sichtbar.
Ein kleines Stativ, eine feste Ablage oder zumindest eine ruhige Hand sind deshalb mehr wert als maximaler Zoom. Wer die Belichtung manuell einstellen kann, sollte sie reduzieren, bis die gefilterte Sonnensichel klar erkennbar ist. Autofokus und automatische Belichtung können bei einem extrem hellen Motiv gegen einen dunkleren Himmel schnell irritiert werden.
Die bessere Aufnahme muss außerdem nicht nur die Sonne zeigen. In Deutschland steht sie während des Höhepunkts bereits tief im Westen. Silhouetten, ein offener Horizont, die veränderte Lichtstimmung und die Reaktionen der Menschen können aus einem technisch unspektakulären Handybild eine viel stärkere Szene machen.
Der Standort entscheidet über das Foto
Das Problem des Abends ist nicht nur die Wolke, sondern auch der Horizont. Ein Gebäude oder eine Baumreihe im Westen kann die Sonne kurz vor dem Maximum verdecken. Wer fotografieren will, sollte den geplanten Platz deshalb vorher zur ähnlichen Uhrzeit ansehen.
Nach der aktuellen DWD-Prognose stehen die Chancen in großen Teilen Deutschlands gut. Höhere Wolken sind unter anderem in Teilen Nordrhein-Westfalens und Niedersachsens möglich, im Südwesten werden ebenfalls einzelne Wolken erwartet. Ein Blick auf den kurzfristigen Wolkenfilm am Mittwoch bleibt trotzdem sinnvoll.
Augen schützen, bevor das Display lockt
Geeignete Finsternisbrillen entsprechen ISO 12312-2. In Deutschland gibt es keine Totalität, also keinen sicheren Moment, in dem man die Brille beim direkten Blick zur Sonne absetzen dürfte.
Besonders wichtig: Wer ein Fernglas oder Teleskop nutzt, braucht einen dafür vorgesehenen Filter vor der Öffnung. Eine Finsternisbrille vor den Augen reicht hinter einem ungefilterten Teleskop nicht aus, weil das Instrument Sonnenlicht konzentriert.
Beim Smartphone gilt ebenfalls: nicht minutenlang ungefiltert in die Sonne halten. Ein Filter vor der Linse schützt den Sensor und sorgt überhaupt erst dafür, dass die Sonnensichel statt einer weißen überstrahlten Fläche sichtbar werden kann.
Nach dem Sonnenuntergang ist noch nicht Schluss
Wer schon einen guten Platz außerhalb der Stadt gefunden hat, kann nach dem Eclipse-Foto bleiben. In der Nacht vom 12. auf den 13. August erreichen die Perseiden ihren Höhepunkt. Wegen des Neumonds ist der Himmel besonders dunkel; unter idealen Bedingungen sind laut NASA etwa 50 bis 100 Meteore pro Stunde möglich.
Für sie braucht das Handy eine völlig andere Strategie: keinen Sonnenfilter, einen stabilen Stand, längere Belichtungen und möglichst wenig künstliches Licht. Zwei Himmelsereignisse an einem Abend, zwei technische Situationen – und in beiden Fällen ist ein guter Standort wichtiger als die teuerste Kamera.



