Junkr

Donnerstag, 10. September 2026 · Berlin

Suche

Technologie 5 Min. Lesezeit Von

Rockstar Games wehrt sich gegen Vorwürfe der unrechtmäßigen Entlassung von 31 Mitarbeitern

Vor dem Glasgow Employment Tribunal beginnt die Anhörung zu den Entlassungen von 31 GTA-6-Entwicklern. Die Gewerkschaft IWGB wirft Rockstar vor, Mitarbeiter wegen gewerkschaftlicher Aktivitäten gefeuert zu haben. Rockstar bestreitet dies und verweist auf schwere Verstöße gegen die Vertraulichkeit.

Rockstar Games wehrt sich gegen Vorwürfe der unrechtmäßigen Entlassung von 31 Mitarbeitern
GTA 6 Developer Rockstar Says It Will Defend Itself 'Vigorously' From Union Claims as Employment Tribunal Over the Firing of 31 Workers Gets Underway

Vor dem Glasgow Employment Tribunal hat am Montag die Anhörung zu den umstrittenen Entlassungen von 31 Mitarbeitern des GTA-6-Entwicklers Rockstar Games begonnen. Die Independent Workers of Great Britain (IWGB) wirft dem Studio vor, die Beschäftigten im Oktober vergangenen Jahres unrechtmäßig entlassen zu haben, weil sie sich gewerkschaftlich organisiert hätten. Rockstar weist die Vorwürfe entschieden zurück und will sich nach eigenen Angaben «energisch» verteidigen.

Insgesamt wurden 34 Mitarbeiter entlassen – 31 im Vereinigten Königreich und drei in Kanada. Alle waren nach Angaben der Gewerkschaft an der Entwicklung von GTA 6 beteiligt. Die IWGB behauptet, die Betroffenen seien «schwarzgelistet» und gezielt wegen ihrer Gewerkschaftsarbeit ins Visier genommen worden. Zudem sei die Art der Kündigung unrechtmäßig gewesen, da es weder ein Disziplinarverfahren noch eine Möglichkeit zum Widerspruch gegeben habe. Rockstar hält dagegen, die Entlassungen seien wegen schweren Fehlverhaltens erfolgt: Die Mitarbeiter hätten vertrauliche Informationen über GTA 6 in einem Discord-Kanal geteilt.

Ein Sprecher des Unternehmens erklärte gegenüber Medien: «Die Position von Rockstar Games war durchweg klar und konsistent. Personen im Vereinigten Königreich und in Kanada wurden wegen schweren Fehlverhaltens entlassen, nachdem sie vertrauliche Unternehmensinformationen weitergegeben hatten – nicht wegen angeblicher Gewerkschaftsmitgliedschaft oder -aktivität. Wir weisen die Vorwürfe zurück und werden sie vor dem Tribunal energisch verteidigen.» Die Anhörung soll bis zum 16. Oktober dauern – rund einen Monat vor der Veröffentlichung von GTA 6 am 19. November 2026.

Die IWGB schildert die Entlassungen als abrupt und entwürdigend. Am Tag der Kündigungen seien Beschäftigte in Besprechungen gerufen, ihnen sei mit sofortiger Wirkung gekündigt worden, und sie seien aus dem Gebäude begleitet worden. Mitarbeiter, die nicht vor Ort waren, sollen in etwa zweiminütigen Telefonaten informiert und anschließend aus ihren Arbeitskonten ausgesperrt worden sein. Einem der Entlassenen, Will Mesilane, sei zudem die Arbeitserlaubnis entzogen und er beim Innenministerium gemeldet worden, ohne Möglichkeit zum Einspruch – er musste das Vereinigte Königreich verlassen und nach Australien zurückkehren.

Jason Lewis, ehemaliger Rockstar-Mitarbeiter und IWGB-Mitglied, sagte: «Fast ein Jahr lang wurde die Wahrheit darüber, was uns widerfahren ist, von Rockstar begraben und von Spekulationen umgeben. Jetzt bekommen wir endlich die Chance, sie zu Protokoll zu geben. Keiner von uns hätte sich vorgestellt, dass Gespräche über unsere Arbeitsbedingungen unser Leben auf den Kopf stellen und uns in den Mittelpunkt eines globalen Medienrummels katapultieren würden.» Die Entlassenen fordern ihre Wiedereinstellung oder alternativ eine Entschädigung sowie die Feststellung des Tribunals, dass ihre Kündigungen unfair waren.

Rockstar betont, dass die fraglichen Discord-Kommentare GTA-6-Features, den Fortschritt und die Starttermine sowie interne IT-Sicherheitsprotokolle betrafen. Das Unternehmen argumentiert, ein Leck hätte große Gaming-Schlagzeilen gemacht und sogar den Aktienkurs von Mutterkonzern Take-Two beeinflussen können. Als GTA 6 offiziell um sechs Monate auf November 2026 verschoben wurde, fiel der Marktwert von Take-Two an einem Tag um 3,75 Milliarden Dollar. Rockstar verweist auf seine Null-Toleranz-Politik bei Leaks: Bereits im April 2025 wurde ein Mitarbeiter in Lincoln entlassen, im November 2023 ein weiterer in den USA und im November 2025 ein Mitarbeiter in Indien – jeweils wegen separater Informationslecks.

Der Discord-Kanal, so Rockstar, sei nicht privat für Mitarbeiter gewesen, sondern habe Hunderte Personen umfasst, darunter Mitarbeiter konkurrierender Spieleentwickler, einen Branchenjournalisten und nicht identifizierbare Mitglieder. Die IWGB bestreitet dies und behauptet, der Kanal sei privat gewesen. Unterdessen laufen zwischen Rockstar und der Gewerkschaft weiterhin Verhandlungen über eine formale Anerkennung. Die IWGB fordert mehr Lohntransparenz, Schutz vor Entlassungen nach Veröffentlichung, ein Ende von «Crunch» und flexiblere Arbeitsmodelle. Die Entlassenen riefen Fans zuletzt dazu auf, GTA 6 nicht zu boykottieren, sondern T-Shirts zu kaufen, deren Erlös ihre Prozesskosten unterstützt.

Moritz Albrecht

Autor

Redakteur vom Dienst

Moritz Albrecht berichtet für Junkr über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.