Technologie 4 Min. Lesezeit Von Lukas Seifert
KI-Software sorgt in der Formel 1 für Chaos und Debatten
Die Formel-1-Saison 2026 wird von KI-gesteuerten Hybridantrieben geprägt, die den Fahrern die Kontrolle entziehen. Fehlerhafte Software und unerwartete Überholmanöver werfen die Frage auf, wie Codemasters diese Technik im nächsten F1-Spiel abbilden soll.
Die Formel 1 kämpft in der Saison 2026 mit einem neuen Problem: KI-gesteuerte Software übernimmt zunehmend die Kontrolle über die Energieverteilung der Hybridantriebe. Wie das Fachmagazin IGN berichtet, führt diese Entwicklung nicht nur zu kuriosen Zwischenfällen auf der Strecke, sondern stellt auch die Entwickler des offiziellen F1-Spiels vor eine schwierige Aufgabe. Codemasters, das die Lizenz seit 2009 hält, muss entscheiden, ob und wie es diese unberechenbare Technik in das nächste Spiel integriert.
Die neue Ära der Antriebe ist das Ergebnis der für 2026 beschlossenen Regeländerungen. Die Hybridaggregate bestehen nun etwa zur Hälfte aus Verbrennungs- und Elektromotor. Die Steuerung der Batterieentladung erfolgt dabei zunehmend autonom durch lernende Algorithmen. Für die Fahrer bedeutet das einen erheblichen Kontrollverlust. Zwar ist die Technik im Normalbetrieb oft unsichtbar, doch wenn sie versagt, wird sie für alle sichtbar. Beim Großen Preis von Singapur im Oktober 2026, so schildert es IGN, blieben 22 Fahrzeuge auf der Aufwärmrunde bei strömendem Regen auf dem Sepang International Circuit stehen und rollten nur noch mit 20 km/h dahin. Ein Softwarefehler, ausgelöst durch die nassen Bedingungen und die Streckenkonfiguration, zwang alle Teams zu einem Update, bevor das Rennen starten konnte. Lewis Hamilton musste in seinem Ferrari auf der Start-Ziel-Geraden einen kompletten Neustart seines Motors durchführen, um wieder Leistung zu erhalten.
Ein ähnlicher Vorfall ereignete sich bereits ein Rennen zuvor in Baku. Valtteri Bottas schied in der Endphase aus, nachdem er in Kurve 15 die Kontrolle verloren hatte. Zunächst sah es nach einem Fahrfehler aus, doch Bottas erklärte später, das Energiemanagement habe versagt. «Das System schien verwirrt», sagte er. Ein sogenannter Super-Clip habe dazu geführt, dass nur noch die Vorderradbremse funktionierte. Beim Super-Clipping drosselt der Antrieb die Leistung, um Energie für den Elektromotor zu gewinnen – ein Effekt, der einen Formel-1-Wagen wie ein Auto mit leerem Tank wirken lässt.
Doch nicht nur Fehlfunktionen sorgen für Kritik. Selbst wenn die Systeme wie vorgesehen arbeiten, greifen sie massiv in das Renngeschehen ein. Lando Norris überholte in Suzuka versehentlich Lewis Hamilton, weil die Batterieentladung ungewollt ausgelöst wurde. «Ich musste Lewis überholen, obwohl ich das gar nicht wollte», sagte Norris. Auf der nächsten Geraden sei er dann ein «sitzendes Entchen» gewesen, da er die Energie nicht für den gewünschten Angriff nutzen konnte. Für ihn nimmt die Technik zu viel Einfluss auf den Fahrer. Charles Leclerc verglich die Situation mit dem Pilz in Mario Kart, da der Leistungsunterschied zwischen Fahrzeugen im Boost-Modus und solchen ohne enorm sei.
Diese Entwicklung stellt Codemasters vor eine Zwickmühle. Das Studio hat sich stets darum bemüht, die Details der realen Formel 1 einzufangen – von Reifenverschleiß über Motorenmappings bis hin zu DRS und ERS. Die 2026er-Erweiterung des aktuellen Spiels bildet die neuen Regeln bereits teilweise ab: Batteriemanagement ist wichtig, und es gibt Nuancen beim Sammeln und Einsetzen der Energie. Entscheidend ist jedoch, dass der Spieler die Kontrolle behält, es sei denn, er aktiviert eine Fahrhilfe. Die KI-Automatik mit ihren zahlreichen Fehlern wird bislang nicht simuliert. Ob das nächste F1-Spiel diesen Schritt wagt, ist offen. Klar ist: Die reale Formel 1 liefert reichlich Stoff für Diskussionen – und für die Frage, wie viel Technik ein Rennspiel verträgt, ohne den Fahrspaß zu verderben.
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