Technologie 3 Min. Lesezeit Von Leonie Vogt
HoYoverse wagt mit Nodusfall den Schritt ins Dark Fantasy
Auf der Gamescom zeigt HoYoverse mit Nodusfall ein düsteres Actionspiel, das auf den ersten Blick an Elden Ring erinnert, aber eigene Akzente setzt. Der Titel markiert eine deutliche Abkehr vom bunten Anime-Stil früherer HoYoverse-Spiele.
HoYoverse, bekannt für farbenfrohe Anime-Welten wie Genshin Impact und Honkai: Star Rail, präsentiert auf der Gamescom mit Nodusfall ein ungewohnt düsteres Actionspiel. Statt leuchtender Farben, niedlicher Kreaturen und zahlreicher Anime-Charaktereinerinnen setzt der neue Titel auf die klassischen Versatzstücke des Dark Fantasy: geheimnisvolle Magie, brutale Monster und eine schmutzig-realistische Optik, die unweigerlich Erinnerungen an Elden Ring weckt.
Doch genau dieser erste Eindruck täuscht. In der spielbaren Demo auf der Kölner Messe zeigte sich, dass Nodusfall das Potenzial hat, sich von den unvermeidlichen FromSoftware-Vergleichen zu lösen und einen eigenen Weg zu gehen. Die Kämpfe fühlen sich eigenständig an, die Welt wirkt weniger wie eine Kopie als wie eine bewusste Neuinterpretation des Genres durch ein Studio, das bisher für ganz andere Töne bekannt war.
Für HoYoverse ist der Schritt in Richtung düsterer Action ein bemerkenswerter Strategiewechsel. Das Unternehmen hat sich mit seinen bisherigen Live-Service-Spielen eine riesige, international junge Fangemeinde aufgebaut, die vor allem die zugänglichen, farbenfrohen und stark von Anime-Ästhetik geprägten Welten schätzt. Nodusfall bricht mit dieser Formel – und das nicht nur oberflächlich. Die düstere Atmosphäre, die ernstere Erzählweise und das anspruchsvollere Kampfsystem richten sich an ein Publikum, das sich eher für die Herausforderungen eines Soulslike begeistert als für Gacha-Mechaniken und niedliche Begleiter.
Ob dieser Spagat gelingt, wird sich zeigen. Die Gamescom-Demo deutet jedoch an, dass Nodusfall mehr sein könnte als ein bloßer Genre-Aufguss. Die Entwickler scheinen die Erwartungen an ein HoYoverse-Spiel bewusst zu unterlaufen und zugleich die Stärken des Studios – aufwendige Produktion, detaillierte Weltgestaltung und ein hoher Polish – in ein neues Genre zu übertragen. Sollte der Titel halten, was die Messe-Demo verspricht, könnte er nicht nur die eigene Fangemeinde überraschen, sondern auch jene Spielerinnen und Spieler erreichen, die mit den bisherigen HoYoverse-Titeln wenig anfangen konnten.
Ein konkreter Release-Termin für Nodusfall steht noch aus. Auch Details zu Plattformen und möglichen Live-Service-Elementen hat HoYoverse bislang nicht bekannt gegeben. Die Gamescom-Präsentation dürfte jedoch ausreichen, um das Interesse an dem Projekt weiter zu schüren – und die Frage aufzuwerfen, wie weit sich ein Studio von seiner eigenen Erfolgsformel entfernen kann, ohne sein Publikum zu verlieren.



