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EA Sports FC 27: Taktik-Fortschritt trifft auf Open-World-Ballast

EA Sports FC 27 verbessert das Taktiksystem deutlich, doch der neue Open-World-Hub The Grounds und anhaltende Serverprobleme trüben den Gesamteindruck. Ein Review der wichtigsten Neuerungen.

EA Sports FC 27: Taktik-Fortschritt trifft auf Open-World-Ballast
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EA Sports FC 27 setzt in diesem Jahr auf zwei große Neuerungen: ein erweitertes Taktiksystem und den Open-World-Hub The Grounds. Während die strategischen Möglichkeiten auf dem Platz deutlich zulegen, sorgt der neue Online-Bereich für gemischte Gefühle. Unterm Strich bleibt das Gefühl, dass sich positive und negative Veränderungen die Waage halten.

Das überarbeitete Taktiksystem ist die klar beste Neuerung des Spiels. Es ergänzt die in den Vorjahren eingeführten Spielstile und Rollen und gibt den Teams mehr Kontrolle über ihr Verhalten in verschiedenen Spielphasen. Statt einfacher Formationen und Anweisungen erklärt das System nun Zweck, Stärken und Schwächen unterschiedlicher taktischer Ansätze. Das wird besonders nützlich, wenn man um die individuellen Fähigkeiten einzelner Spieler herum baut.

Ein Beispiel aus der Praxis: Ein tieferes Defensivkonzept passt gut zu Noussair Mazraoui, dessen geduldige Spielweise ihn Position halten und Angriffe unterbrechen lässt, ohne ständig die Ordnung zu verlassen. Gleichzeitig eröffnet ein Kurzpass-Aufbauspiel ihm die Möglichkeit, seine technischen Fähigkeiten zu nutzen, ohne die defensive Struktur aufzugeben. Diese Flexibilität zeigt sich auch bei Formationswechseln während des Spiels.

Gegen Crystal Palace etwa blieben die Außenbahnen offen, also wechselte der Testspieler in ein 4-2-2-2, ließ Bruno Fernandes zwischen den Linien agieren und bediente einen Stürmer wie Benjamin Sesko für schnelle Kombinationen durchs Zentrum. Als Manchester City die Flügel besser kontrollierte, half ein Wechsel auf ein breites 4-2-3-1, Fernandes zentraler einzusetzen, damit er das Spiel diktierte und mit den defensiven Mittelfeldspielern kombinierte. Solche Anpassungen machen FC 27 taktisch so interessant wie lange nicht.

Die Kehrseite ist The Grounds, ein offener Online-Hub, der an die Neighborhood aus NBA 2K erinnert. Die Idee: eine gemeinsame Lobby, in der man andere Spieler trifft und zwischen Aktivitäten wechselt. In der Umsetzung wirkt der Bereich jedoch wie eine Lösung für ein Problem, das es nie gab. Statt einfacher Menüs müssen sich Spieler durch eine visuell überladene, niedrig aufgelöste Stadt mit leblosen NPCs bewegen, um einen Spielmodus zu starten.

Dazu kommen Framerate-Einbrüche, unnatürliche Animationen und zahlreiche nicht überspringbare Zwischensequenzen. Die Rückkehr von Alex Hunter aus dem Story-Modus The Journey, erneut gesprochen von Adetomiwa Edun, weckt zunächst Nostalgie, doch die Darbietung wirkt steifer und distanzierter als in FIFA 17 und FIFA 18. Auch Kylian Mbappé tritt auf, liest seine Zeilen aber so mechanisch vor, dass es unfreiwillig komisch wirkt.

Die technischen Probleme beschränken sich nicht auf The Grounds. Im Multiplayer häufen sich Verbindungsabbrüche und Server-Lags. In der ersten Woche kam es immer wieder zu abgebrochenen Partien. Ein besonders kurioser Fehler: Ein Torwart schwebte bei einem Abstoß über das Feld, bis er schließlich wieder zwischen die Pfosten zurückkehrte – der Gegner erhielt dafür einen Eckball.

Auch die neuen Minispiele wie Balloon Ball oder Football Tennis machen zwar kurz Spaß, wirken aber eher wie Inhalte für ein FIFA Street als für FC 27. Hinzu kommt, dass Fortschritt in The Grounds an Münzen und XP gebunden ist, die sich mit Echtgeld kaufen lassen. Das verstärkt die Sorge, dass die Reihe sich weiter von ihrem Kern entfernt und Mikrotransaktionen in den Vordergrund rückt.

Insgesamt bleibt EA Sports FC 27 ein zwiespältiges Erlebnis. Das Taktiksystem zeigt, wie gut die Reihe sein kann, wenn sie sich auf das Spiel konzentriert. The Grounds und die anhaltenden Online-Probleme verhindern jedoch, dass der Fortschritt vollständig greift. Wer vor allem taktische Tiefe sucht, findet sie hier – wer einen reibungslosen Online-Modus erwartet, wird weiterhin enttäuscht.

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Marlene Brandt

Autor

Kulturkorrespondentin

Marlene Brandt berichtet für Junkr über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.