Technologie 4 Min. Lesezeit Von Marlene Brandt
EA schließt BioWare und könnte Marken wie Mass Effect verkaufen
Electronic Arts schließt das traditionsreiche Studio BioWare und streicht rund 400 Stellen. Ein ehemaliger Produzent bringt nun einen Verkauf der Rechte an Mass Effect, Dragon Age und Jade Empire ins Spiel, um Schulden abzubauen.
Electronic Arts (EA) schließt das Studio BioWare, bekannt für Rollenspiele wie Mass Effect und Dragon Age. Im Zuge einer unternehmensweiten Umstrukturierung will der Publisher rund 400 Arbeitsplätze streichen. Zuvor hatte EA entschieden, die Entwicklung eines neuen Mass Effect nicht weiterzuverfolgen. Die Markenrechte an den BioWare-Spielen liegen vollständig bei EA – und könnten nach Einschätzung eines ehemaligen Studioleiters nun zum Verkauf stehen.
Mark Darrah, früherer Executive Producer bei BioWare, äußerte sich auf seinem YouTube-Kanal zu den möglichen Konsequenzen. EA besitze alle geistigen Eigentumsrechte, darunter Dragon Age, Mass Effect und Jade Empire. Da nun niemand mehr innerhalb von EA an Spielen mit diesen Marken arbeite und es wahrscheinlich auch nie wieder jemand tun werde, sei ein Verkauf der Rechte denkbar. Allerdings könne EA die Marken auch einfach stilllegen und im Archiv verschwinden lassen. Darrah rechnet damit, dass erst nach einiger Zeit Klarheit darüber besteht, ob EA Interesse an einem Verkauf seiner ruhenden Marken hat. Derzeit befinde sich das Unternehmen im Kostensenkungsmodus; eine Phase der Einnahmengenerierung, in der ein Verkauf attraktiver wäre, könnte noch folgen.
Die Schließung von BioWare ist Teil eines breiteren Sparkurses bei EA. Das Unternehmen kämpft nach Darrahs Angaben mit einem Schuldenberg von 55 Milliarden Dollar. Neben der Schließung des Studios wurden weitere Maßnahmen angekündigt: Die Arbeit an einem neuen Sims-Spiel wurde vorerst gestoppt, das Team hinter dem neuen Skate-Titel wird verkleinert, und ein «social-first open-world» Fußballspiel befindet sich in Entwicklung. Die Entlassungen treffen rund 400 Beschäftigte.
BioWare blickt auf eine wechselhafte Geschichte zurück. Das letzte Spiel des Studios, Dragon Age: The Veilguard, blieb hinter den kommerziellen Erwartungen von EA zurück. Der frühere Dragon-Age-Lead-Autor David Gaider hatte die Reihe bereits zuvor als tot bezeichnet. Nach umfangreichen Entlassungen bei BioWare blieb zuletzt nur ein Kernteam übrig, das an einem neuen Mass Effect arbeiten sollte. Nun wird auch dieses Projekt nicht weiterverfolgt.
Ein Verkauf der Marken würde bedeuten, dass EA die Rechte an bekannten Spielereihen abgibt, statt sie selbst zu nutzen. Ob und wann es dazu kommt, ist offen. Darrah zufolge könnte EA die Marken auch dann nicht selbst bespielen, wenn sie im eigenen Besitz bleiben – es fehle schlicht das Personal. Alternativ könnte der Publisher externe Studios mit der Entwicklung neuer Teile beauftragen. In der Branche gibt es dafür Beispiele: Konami brachte die Silent-Hill-Reihe mit Partnern wie Bloober Team, Screen Burn und NeoBards Entertainment zurück, und Lucasfilm Games setzt bei Star-Wars-Spielen auf wechselnde externe Entwickler.
Für Fans der BioWare-Rollenspiele bedeutet die Schließung zunächst eine Zäsur. Die Marken Mass Effect, Dragon Age und Jade Empire bleiben vorerst in EAs Besitz. Ob sie eines Tages in neuen Spielen auftauchen oder verkauft werden, hängt davon ab, wie EA seine Schulden abbauen will und ob der Publisher von der Kostensenkung zu einer Strategie der Einnahmesteigerung übergeht. Bis dahin ruhen die Rechte – und mit ihnen die Zukunft der einstigen Vorzeigereihen.
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