Kultur 4 Min. Lesezeit Von Lukas Seifert
«Wicker»: Olivia Colman und Peter Dinklage in skurriler Liebesfabel
Die Komödie «Wicker» von Alex Huston Fischer und Eleanor Wilson sorgt nach ihrer Sundance-Premiere für Aufsehen: Olivia Colman spielt eine Außenseiterin, die sich einen Ehemann aus Weide flechten lässt – mit ungeahnten Folgen für ihr Dorf.
Ein Film über eine Frau, die sich einen Ehemann aus Weide flechten lässt: Was klingt wie ein Märchen, ist die Prämisse der neuen Komödie «Wicker». Das Regie- und Drehbuchduo Alex Huston Fischer und Eleanor Wilson erzählt darin von einer Fischerin, die in ihrem Küstendorf als Außenseiterin gilt und von den Bewohnerinnen und Bewohnern verspottet wird. Kurzerhand beauftragt sie den örtlichen Korbflechter, ihr einen Ehemann aus Weide anzufertigen. Dass die Skulptur mehr kann, als sie je erwartet hätte, bringt das konservative Gemeinwesen gehörig durcheinander.
Besetzt ist die ungewöhnliche Liebesgeschichte hochkarätig: Olivia Colman übernimmt die Rolle der Fischerin, Alexander Skarsgård verkörpert den Weidenmann, und Peter Dinklage spielt den Korbflechter. Zum weiteren Ensemble gehören Elizabeth Debicki, Richard E. Grant, Nabhaan Rizwan, Kiell Smith-Bynoe und Ella Bruccoleri. Der Film feierte beim Sundance Festival Premiere, wo er laut Kritiken zu den Überraschungserfolgen zählte und vom Verleih Black Bear übernommen wurde. Kinostart in den USA ist der 23. Oktober 2026.
Inhaltlich geht es in «Wicker» um weit mehr als eine bizarre Ausgangslage. Die Geschichte verhandelt Beziehungen zwischen Männern und Frauen, Fragen nach Glück und Liebe sowie Eifersucht und Sehnsucht. Der aus Weide geflochtene Gefährte entwickelt laut Handlung eine eigene, tiefgründige Persönlichkeit – und löst im Dorf eine Mischung aus Faszination, Neid und Aufruhr aus. Die konservative Dorfgemeinschaft, die die Fischerin zuvor ausgegrenzt hat, muss sich mit der unerwarteten Konkurrenz auseinandersetzen, die ausgerechnet aus einem handwerklichen Erzeugnis erwächst.
Die Kritiken fallen bislang überwiegend positiv aus. Auf der Bewertungsplattform Rotten Tomatoes kommt der Film auf 94 Prozent Zustimmung, bei Metacritic liegt er bei 70 von 100 Punkten. Besonders hervorgehoben wird der wrye, also trocken-humorvolle Ton der Inszenierung, die märchenhafte Elemente mit einer klugen Beobachtung zwischenmenschlicher Dynamiken verbindet. Für das Publikum, das Popkultur und ungewöhnliche Stoffe schätzt, dürfte «Wicker» damit zu den interessanteren Herbststarts gehören.
Hinter der Kamera stehen mit Fischer und Wilson zwei Filmemacher, die auch das Drehbuch verantwortet haben; als weitere Autorin wird Ursula Wills genannt. Die Kombination aus prominenter Besetzung und einer Prämisse, die sich bewusst gegen übliche Romantic-Comedy-Muster stellt, macht den Film zu einem Gesprächsthema in der Kinolandschaft. Ob das Konzept auch das deutsche Publikum überzeugt, bleibt abzuwarten – ein Starttermin für Deutschland ist bislang nicht bestätigt.
Mit seiner Mischung aus Fabel, Komödie und Gesellschaftsbeobachtung reiht sich «Wicker» in eine Reihe von Filmen ein, die mit ungewöhnlichen Erzählformen vertraute Themen wie Einsamkeit, Begehren und den Druck dörflicher Gemeinschaften verhandeln. Dass ausgerechnet ein Mann aus Weide zum Katalysator für Eifersucht und gesellschaftliche Verwerfungen wird, verleiht der Geschichte einen satirischen Unterton, der in den ersten Reaktionen positiv aufgenommen wurde. Wer skurrile Stoffe mit starken Darstellerinnen und Darstellern mag, sollte den Film im Blick behalten.
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