Kultur 5 Min. Lesezeit Von Leonie Vogt
Vier Filme über Essen, die Sinne und Appetit gleichermaßen wecken
Ein Dokumentarfilm über einen Haferbrei-Wettbewerb in Schottland gibt den Anstoß, vier Spielfilme vorzustellen, in denen Kochen Gefühle ausdrückt, Freude zurückbringt und Menschen näher zusammenbringt.
Kann das Kochen von Haferbrei Emotionen auslösen, die einem sportlichen Wettkampf würdig sind? Der Dokumentarfilm „Najlepsza owsianka na świecie“ von Constantine Costi zeigt genau das. Er begleitet Teilnehmer aus verschiedenen Ländern im schottischen Carrbridge, die sich in dieser Disziplin messen. Der Film wird derzeit in Vorpremieren gezeigt und kommt am 27. November regulär in die Kinos. Das ist ein guter Anlass, an vier Spielfilme zu erinnern, in denen Kochen Gefühle ausdrückt, Freude zurückgibt oder Menschen einander näherbringt.
In „Bulion i inne namiętności“ (2023) kochen Eugénie und Dodin seit vielen Jahren gemeinsam. Sie ist eine herausragende Köchin, er ein Feinschmecker, dessen Ansprüche weit über ein gut zubereitetes Mittagessen hinausgehen. Im Frankreich des 19. Jahrhunderts entsteht zwischen beiden eine Beziehung, die auf gemeinsamer Arbeit, Wissen und Genuss beruht. Juliette Binoche und Benoît Magimel spielen die Hauptrollen. Regisseur Tran Anh Hung lässt die Zuschauer die Zubereitung der Speisen in aller Ruhe verfolgen. Wichtig sind die einzelnen Handgriffe, die Konzentration und das Wissen um die Vorlieben des anderen. Die Küche wird zum Ort der Nähe, doch Eugénie wahrt zugleich ihre Unabhängigkeit. Besonders reizvoll an dieser Liebesgeschichte ist die Aufmerksamkeit: Jemand kennt deine Vorlieben und nimmt sich die Zeit, dir eine Freude zu machen. Für den kulinarischen Teil des Films war Pierre Gagnaire verantwortlich.
„Julie und Julia“ (2009) erzählt von Julie Powell, die sich vornimmt, innerhalb eines Jahres 524 Rezepte aus dem Kochbuch von Julia Child zuzubereiten und ihre Versuche in einem Blog festzuhalten. Nora Ephron stellt ihre Geschichte der früheren Reise Child gegenüber, die die französische Küche für sich entdeckt. Amy Adams und Meryl Streep spielen Frauen, die nach einer Tätigkeit suchen, mit der sie das Gefühl haben, etwas wirklich Eigenes zu schaffen. Der Film ist warmherzig, lässt aber auch Raum für Frust, Erschöpfung und missglückte Versuche. Das Kochen macht gerade deshalb Freude, weil nicht immer alles auf Anhieb gelingt. Angenehm zu verfolgen ist der Prozess des Lernens und des allmählichen Selbstvertrauens. Danach hat man oft Lust, endlich das Kochbuch aufzuschlagen, das schon seit Monaten im Regal steht.
In „Chocolat“ (2000) kommt Vianne mit ihrer Tochter in eine französische Kleinstadt und eröffnet einen Schokoladenladen. Ihre Anwesenheit verunsichert eine Gemeinschaft, die an Regeln, Zurückhaltung und Kontrolle festhält. Die von Juliette Binoche verkörperte Heldin bietet den Bewohnern ein Vergnügen an, für das sie sich nicht rechtfertigen müssen. Lasse Hallström verfilmte den Roman von Joanne Harris und erzählt rund um die Süßspeisen von Begierden und dem Recht, selbst über das eigene Leben zu entscheiden. Wichtig sind auch die Begegnungen im Laden: die Möglichkeit innezuhalten, zu reden und ohne Verurteilung aufgenommen zu werden. Die Schokolade stiftet Kontakt, und Vianne entdeckt nach und nach, dass auch sie selbst Nähe braucht.
In „Der Chef“ (2014) verlässt Carl Casper ein Restaurant in Los Angeles und sucht nach einem neuen Zugang zur Freude am Kochen. Er startet einen Foodtruck, und auf der Reise begleiten ihn sein Sohn und ein Freund. Jon Favreau führte Regie und übernahm zugleich die Hauptrolle. Der Film verbindet die Geschichte einer beruflichen Krise mit dem Wiederaufbau einer familiären Beziehung. Das Essen hat hier eine unmittelbare, alltägliche Anziehungskraft: Es zählen der Geschmack, die routinierte Arbeit und die Reaktion eines Menschen, der gerade ein frisch zubereitetes Sandwich in die Hand bekommt. Carl kann wieder mit Überzeugung kochen, und sein Sohn lernt ihn über eine gemeinsame Tätigkeit neu kennen. Nach dem Film hat man vielleicht weniger Lust auf eine Reservierung im angesagten Restaurant als darauf, für einen nahestehenden Menschen etwas Leckeres zuzubereiten.
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