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Kultur 6 Min. Lesezeit Von

Teenager-Magazine erleben in Zeiten von Algorithmen ein Comeback

Nach dem Niedergang der Printtitel in den 2000er-Jahren kehren Jugendmagazine zurück. Neue Ausgaben wie WYouth und Cuqui sowie neue Führungen bei Teen Vogue und Seventeen zeigen, dass gedruckte Teenmedien wieder gefragt sind.

Teenager-Magazine erleben in Zeiten von Algorithmen ein Comeback
In the Age of Algorithms, Teen Magazines Are Making a Comeback

Jugendmagazine, die lange als verstaubtes Relikt galten, feiern ein überraschendes Comeback. Während digitale Plattformen den Alltag junger Menschen bestimmen, bringen Verlage und Redaktionen neue gedruckte Titel auf den Markt, die sich ausdrücklich an Teenager richten. Der Trend zeigt, dass das Bedürfnis nach einer kuratierten, verlässlichen Orientierung in der Pubertät auch in Zeiten von Algorithmen fortbesteht.

Ihre Blütezeit erlebten Teenmagazine seit den 1950er-Jahren, vor allem aber Ende der 1990er-Jahre. Titel wie Seventeen, Sassy, YM, CosmoGirl, Tiger Beat, Teen und Teen People fanden reißenden Absatz am Kiosk. Mit dem starken Aufstieg digitaler Inhalte zwischen 2004 und 2010 verschwanden viele dieser Magazine jedoch weitgehend. Tavi Gevinson versuchte mit Rookie, das Format in einer Mischung aus digitaler und analoger Welt neu zu beleben, doch auch dieses Projekt endete bis 2018.

Für die Generation der Millennials war die Jugend noch ein Übergang zwischen zwei Welten: gedruckte Magazine und soziale Netzwerke, Festnetztelefon und iPhone, CDs und Streamingdienste. Wer nach der Jahrtausendwende geboren wurde, wuchs dagegen digital auf. Da scheinbar alles auf dem Smartphone verfügbar ist, hatten Teenager weniger Anlass, zu einem hochglänzenden Heft zu greifen. Gleichzeitig blieben beliebte jugendorientierte Marken dank der Nostalgie der Millennials im kulturellen Gespräch präsent.

Inzwischen gewinnen Inhalte für Jugendliche wieder an Bedeutung. Im April kündigte W-Chefredakteurin Sara Moonves das neue Magazin WYouth an, das unter der Leitung der in New York ansässigen Kreativdirektorin Ava Nirui steht. Die erste gedruckte Ausgabe erschien am 15. September am Kiosk. Nirui erklärte in einer Pressemitteilung, die Idee sei aus einem Gespräch mit Sofia Coppola und Moonves entstanden, in dem es um die Magazine ging, die sie als Teenager geprägt hatten. Man wolle diesen Geist zurückbringen, allerdings für heute.

Auch Paula James-Martinez, eine erfahrene Medienfrau aus der Modebranche, setzt auf Print: Im August brachte sie das Magazin Cuqui heraus, das sich als Ort für das Mädchensein beschreibt, der den Lesern direkt in die Augen schaut. Bei den verbliebenen traditionsreichen Jugendtiteln sorgt neue Führung für frischen Wind. Bei Condé Nast leitet Alyssa Hardy die digitale Berichterstattung von Teen Vogue, nachdem die Marke im vergangenen Jahr in Vogue integriert wurde. Bei Hearst steht Seventeen unter der Leitung von Willa Bennett, die zugleich auch Cosmopolitan verantwortet.

Morgan Baden, Gründerin des Archivkontos @teenmagazinemuseum, sieht in der Nostalgie und dem Wunsch nach Flucht wichtige Antriebe für die Wiederbelebung. Die Welt sei in vielem im Umbruch, und das Wiederentdecken geliebter Dinge, insbesondere physischer Magazine, die weniger leicht zugänglich waren als andere alte Medien, biete eine Form der Zuflucht. Baden begann mit dem Sammeln, als ihre Tochter geboren wurde und Hormone eine Welle der Erinnerung auslösten. Ihr Instagram-Konto hat inzwischen rund 25.000 Follower und ist auch über Substack und Threads erreichbar.

Zugleich reflektiert Baden die Schattenseiten der früheren Magazine. Sie verehre diese Hefte, erkenne aber zugleich ihre begrenzte Perspektive, die von Weißsein, Schlankheitsideal und Heteronormativität geprägt war. Im schlechtesten Fall hätten sie dazu geführt, dass sich Leserinnen für ihren Körper, ihr Gesicht, ihre Haare und ihre Anziehung schämten. Im besten Fall hätten sie jedoch eine Rettungsleine geboten, Fragen beantwortet, die man sich nicht zu stellen traute, und ein weniger furchteinflößendes Bild des jungen Erwachsenseins gezeigt.

Die Themen haben sich seither verändert. Teen Vogue berichtet heute etwa über eine Luxusmodegruppe, die in die Prävention sexueller Gewalt gegen Jugendliche investiert, und präsentiert transgeschlechtliche Gen-Z-Ikonen wie Alex Consani und Vivian Wilson auf dem Cover. Seventeen rückt mit einer digitalen Ausgabe zum Thema Fankultur BIPOC-Stars in den Mittelpunkt. Hardy betont, die Marke bleibe trotz der Einbindung in Vogue eng an den Interessen der Jugend ausgerichtet. Ob Prominente, Modemarken, Spiele oder Bücher: Entscheidend sei, was den jungen Leserinnen und Lesern wichtig ist.

Bennett beschreibt die Lage so: Gen Z und Generation Alpha bekämen von Algorithmen, Influencern und sozialen Plattformen ständig vorgegeben, wer sie werden sollen. Gerade deshalb suchten junge Menschen nach Orten, an denen sie ohne Einschränkungen erkunden könnten, wer sie sind. Ob sich das Comeback der Teenmagazine langfristig durchsetzt, bleibt abzuwarten. Die neuen Titel zeigen jedoch, dass die Branche wieder daran glaubt, dass gedruckte, kuratierte Inhalte für junge Leserinnen und Leser einen Platz haben.

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Leonie Vogt

Autor

Gesellschaftsreporterin

Leonie Vogt berichtet für Junkr über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.