Kultur 4 Min. Lesezeit Von Lukas Seifert
Tasting History wird zum Brettspiel: Max Millers Rezepte auf dem Tisch
Der YouTube-Historiker Max Miller bringt seine Erfolgsserie Tasting History als Worker-Placement-Brettspiel auf Kickstarter. Drei Epochen, 75 Rezepte und ein Fokus auf Wiederspielbarkeit sollen Fans und Brettspieler gleichermaßen ansprechen.
Max Miller, bekannt für seine YouTube-Serie Tasting History, bringt seine historischen Rezepte jetzt auf den Spieltisch. Gemeinsam mit dem Spieleautor Michael Shinall und dem Verlag Salt Games hat der Koch und Geschichtsvermittler ein Worker-Placement-Brettspiel entwickelt, das diese Woche auf Kickstarter gestartet ist. Statt vor der Kamera zu kochen, schlüpfen die Spielerinnen und Spieler selbst in die Rolle von Köchinnen und Köchen, die Zutaten sammeln, Gerichte zubereiten und durch die Epochen reisen.
Im Mittelpunkt des Spiels steht das Sammeln von Zutaten an verschiedenen Orten auf dem Spielbrett. Mit den gesammelten Ressourcen bereiten die Teilnehmenden historisch möglichst genaue Rezepte zu, veranstalten Feste und schreiten von einer Epoche zur nächsten voran. Die Grundbox enthält drei historische Perioden: das antike Rom, das mittelalterliche Europa und die amerikanische Frontier. Jede Epoche bringt 25 eigene Rezepte sowie passende historische Ereignisse mit, sodass insgesamt 75 Gerichte im Basisspiel enthalten sind.
Eine Partie dauert für ein bis fünf Personen etwa 60 bis 90 Minuten und erstreckt sich über fünf Runden. In jeder Runde setzen die Spielenden ihre insgesamt vier Köchinnen und Köche auf sechs Hauptorte des Spielbretts, um Zutaten und andere Vorteile zu erhalten. Dazu kommen sogenannte Insight-Karten, die kleine Bonuszüge ermöglichen – etwa kostenlose Zutaten, zusätzliche Siegpunkte oder Reaktionen, wenn andere Spielende ein besetztes Feld betreten. Shinall beschreibt diese Mechanik als eine Art erzwungene Hilfestellung, die dem Spiel eine interaktive Note verleiht.
Jede der drei Epochen verfügt über eigene, historisch angelehnte Kartendecks: Rezepte zum Kochen, Ereignisse, die als besondere Ziele dienen, sowie eine spezielle Zutat. Im antiken Rom ist das die fermentierte Fischsauce Garum, die Miller bereits in einer eigenen Folge seiner Serie behandelt hat. Solche Details sollen das Gefühl vermitteln, tatsächlich durch die Geschichte zu reisen, statt nur ein austauschbares Setting zu bespielen.
Miller betont, dass das Spiel in erster Linie als eigenständiges Brettspiel funktionieren soll und nicht als reine Merchandise-Erweiterung seiner Marke. Er habe viele lizenzierte Spiele ausprobiert, die thematisch passend, aber spielerisch schnell langweilig gewesen seien. Sein Ziel sei ein Titel, den man fünfzig Mal spielen könne und der beim fünfzigsten Mal noch genauso viel Freude mache wie beim ersten – vergleichbar mit etablierten Spielen wie Wingspan oder Lords of Waterdeep. Gleichzeitig sollen Fans der Serie viele kleine Anspielungen auf die Show entdecken, darunter zahlreiche Rezepte, die Miller bereits in Videos vorgestellt hat.
Um die Verbindung zwischen Brett und Bildschirm zu stärken, denken Miller und Shinall über QR-Codes auf den Rezeptkarten nach. Wer mehr über ein Gericht erfahren möchte, könnte den Code scannen und direkt zu einer passenden Folge von Tasting History gelangen. Das würde den Bildungsanspruch der Serie auch am Spieltisch zugänglich machen.
Die größte Herausforderung besteht darin, zwei sehr unterschiedliche Zielgruppen zu bedienen: erfahrene Brettspielerinnen und Brettspieler, die Tiefe und Wiederspielbarkeit erwarten, sowie die rund 4,5 Millionen Abonnenten des Kanals, von denen viele noch nie ein komplexeres Brettspiel gespielt haben. Shinall betont, dass das Spiel zugänglich bleiben müsse, ohne an Entscheidungsfreiheit zu verlieren. Ob die drei Epochen sich dabei wirklich unterschiedlich anfühlen oder nur wie ein neues Gewand für dieselben Mechanismen, wird sich nach dem Kickstarter und den ersten Testpartien zeigen.
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