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Produzentin Jane Tranter plädiert auf dem MIA Market für mehr Empathie im Fernsehen

Die «Industry»- und «Doctor Who»-Produzentin Jane Tranter hat auf dem römischen MIA Market dazu aufgerufen, Geschichten zu erzählen, die Empathie fördern. Statt Trends zu folgen, müsse man bewusst gegen den Strom schwimmen, sagte sie vor europäischen Produzenten.

Produzentin Jane Tranter plädiert auf dem MIA Market für mehr Empathie im Fernsehen
‘Industry,’ ‘Doctor Who’ Producer Jane Tranter on Resisting Trends, Centering Women and Telling Stories About ‘People Being Accepted for Who They Choose to Be’

Die britische Produzentin Jane Tranter hat auf dem MIA Market in Rom eine leidenschaftliche Rede für mehr Empathie im Fernsehen gehalten. Die Mitgründerin und Chefin der Produktionsfirma Bad Wolf, die für Serien wie «Industry» und «Doctor Who» verantwortlich zeichnet, sagte vor europäischen Produzenten, die Branche müsse gezielt nach Stoffen suchen, «die unsere Welt zu einem einfacheren Ort machen».

Tranter, die laut eigener Aussage ihre Karriere damit verbracht hat, gegen den Strich zu bürsten, erklärte am Dienstag, der einzige Weg, in unsicheren Zeiten zu überleben, sei, «in die entgegengesetzte Richtung des Verkehrs aller anderen zu gehen». Wenn alle anderen einen Zickzackkurs machten, müsse man selbst die Gegenbewegung wählen. Diese Haltung prägt seit Jahren ihre Arbeit: Statt auf kurzfristige Trends zu setzen, konzentriert sie sich auf Erzählungen, die Haltung zeigen und weibliche Perspektiven in den Mittelpunkt rücken.

In ihrer Keynote griff Tranter auf ein konkretes Beispiel zurück: einen Landwirt in seinen Siebzigern. Anhand dieser Figur machte sie deutlich, wie wichtig es sei, Lebensrealitäten abzubilden, die sonst selten auf dem Bildschirm auftauchen. Ihr Plädoyer richtete sich an Produzenten und Entscheider, die in einem Marktumfeld arbeiten, das von Unsicherheit und ständigem Wandel geprägt ist. Gerade in solchen Phasen, so ihre Botschaft, lohne es sich, auf eigenständige Stoffe zu setzen statt auf bewährte Formeln.

Ein zentrales Anliegen ist Tranter die Darstellung von Frauen und die Frage, wie Menschen akzeptiert werden, so wie sie sich selbst entscheiden zu leben. Geschichten über «Menschen, die akzeptiert werden für das, was sie sein wollen», ziehen sich durch ihre Arbeit. Damit positioniert sie sich klar gegen ein Fernsehen, das Randgruppen und ungewöhnliche Lebensentwürfe ausspart oder nur als Randnotiz behandelt.

Die Produzentin verwies zudem auf den Einfluss, den der verstorbene US-Schauspieler James Gandolfini auf die Gründung von Bad Wolf hatte. Gandolfini, bekannt durch seine Rolle in «The Sopranos», habe sie in ihrer Herangehensweise an Stoffe und Figuren geprägt. Details zu dieser Verbindung nannte sie in ihrer Rede, ohne sie weiter auszuführen. Der Verweis macht deutlich, wie sehr Tranters Arbeit von konkreten Begegnungen und Vorbildern geprägt ist, nicht von Marktanalysen.

Der Auftritt beim MIA Market in Rom ist Teil einer Reihe von Keynote-Reden, mit denen die Veranstaltung internationale Produzenten zusammenbringt. Tranter nutzte die Bühne, um ihre Haltung zu einem Fernsehen zu formulieren, das mehr sein will als Unterhaltung. Ihre Forderung nach Empathie ist dabei nicht nur ein moralischer Appell, sondern auch eine strategische Ansage: Wer gegen den Strom schwimmt, so ihre These, findet ein Publikum, das von gleichförmigen Angeboten ermüdet ist.

Mit ihrer Haltung steht Tranter für eine Generation von Produzentinnen, die in der internationalen Serienlandschaft Verantwortung übernehmen und Themen wie Geschlechtergerechtigkeit und gesellschaftliche Teilhabe vorantreiben. Ob sich diese Linie in einem Markt durchsetzt, der zunehmend unter Kostendruck steht, bleibt abzuwarten. Tranter selbst hat ihre Antwort bereits gegeben: Sie will weiter gegen den Strom schwimmen.

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Marlene Brandt

Autor

Kulturkorrespondentin

Marlene Brandt berichtet für Junkr über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.