Kultur 3 Min. Lesezeit Von Marlene Brandt
Charli XCX beim Reading 2026: Stilvoll, cineastisch, aber nicht durchgehend überzeugend
Charli XCX headlinte das Reading Festival 2026 mit einer aufwendigen Show, die ihr neues Album „Music, Fashion, Film“ in den Mittelpunkt stellte. Trotz beeindruckender Produktion und starkem Finale wirkte der Auftritt im hellen Abendlicht zeitweise unterkühlt.
Charli XCX hat beim Reading Festival 2026 ihren Headline-Auftritt absolviert und dabei eine Show gezeigt, die zwischen cineastischer Inszenierung und durchaus flachen Momenten schwankte. Die Sängerin trat vor den Co-Headlinern Fontaines D.C. auf, musste sich aber mit einem Problem herumschlagen: Der Himmel über dem Festivalgelände war noch so hell, dass sogar ein Regenbogen zu sehen war – für eine Künstlerin, deren Musik vor allem im Dunkeln funktioniert, keine idealen Bedingungen.
Der erste Teil des Sets wirkte entsprechend verhalten. Die glitchigen Elektronik-Klänge von „Track 10“ und „Pink Diamond“ verloren im Tageslicht an Wirkung. Dafür überzeugte die Bühnenproduktion: Ein mehrstöckiges Plattformsystem, gekrönt von einem riesigen Lautsprecherturm, den Band, Tänzerinnen und Charli XCX selbst immer wieder erklommen. Die Show war simpel und zugleich beeindruckend.
Im Mittelpunkt stand das neue Album „Music, Fashion, Film“, auf dem sich die Künstlerin mit dem Ruhm auseinandersetzt, den ihr Vorgänger „Brat“ eingebracht hat. Passend dazu eröffnete sie den Auftritt mit der ersten Single „Rock Music“, bei der sie die Zeile „I’m really banging my head“ gemeinsam mit ihrer Band auf einer der Plattformen spielte. Danach tauchte sie komplett in die Welt des neuen Albums ein: Tänzerinnen liefen bei „Card Declined“ wie Models über einen Laufsteg, und immer wieder wurden Ausschnitte aus David Cronenbergs Monolog aus „Nothing Lasts Forever“ eingespielt.
Die Kommunikation mit dem Publikum hielt sich in Grenzen. Die einzige längere Ansage war die Ankündigung von „Apple“, das sie als „Klassiker“ für Reading ankündigte. Richtig Fahrt nahm das Konzert nach „House“ auf, als die aufgenommene Stimme von John Cale über die Lautsprecher dröhnte und Charli XCX für den „Wuthering Heights“-Song über eine der Plattformen kroch. Mit Funkenregen und Feuer im Hintergrund folgte der poppigere Song „Dying For You“, bevor sie mit einem Megamix ihrer „Brat“-Hits wie „365“, „360“ und „Von Dutch“ für Stimmung sorgte. Am Ende von „Guess“ schossen sogar Unterwäsche-Stücke in den Himmel.
Besonders stark war der Schlussteil. Nach dem B-Seiten-Stück „If You Take Away The Music Then What Has She Got?“ und dem nachdenklichen „Camera“ folgte „Nothing Lasts Forever“, in dem Cronenberg über Kunst, Vermächtnis und Vergänglichkeit sinniert. Als seine Worte „They are dead. They are gone. No one lasts forever“ immer wieder wiederholt wurden, versammelten sich Charli XCX und ihre Tänzerinnen auf einer Plattform. Die Sängerin stand in der Mitte, in einer kraftvollen Pose, und starrte ins Publikum. Ein intensives, fast emotionales Ende – das allerdings auch zeigte, dass nicht der gesamte Auftritt diese Intensität erreichte.



