Gesellschaft 4 Min. Lesezeit Von Moritz Albrecht
Klopp startet mit Nations League in DFB-Zeit
Jürgen Klopp beginnt seine Amtszeit als Bundestrainer mit der Nations League. Der Wettbewerb bietet eine frühe Titelchance und dient als Absicherung für die EM-Qualifikation 2028. Klopp gibt zu, das komplexe Reglement noch nicht vollständig zu überblicken.
Jürgen Klopp hat vor seinem Debüt als Bundestrainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft offen eingeräumt, dass er das Reglement der Nations League noch nicht in allen Details verinnerlicht hat. «Abschließend müsste man mir noch erklären, was die Nations League für eine Auswirkung auf die Europa-Quali-Gruppe hat und so weiter. Aber da wurde ich schon darauf hingewiesen. Im Idealfall spielen wir gut, das habe ich verstanden», sagte Klopp kurz vor dem Start des Wettbewerbs. Der 63-seitige Regelkatalog der UEFA ist auch für Fachleute nicht leicht zu durchschauen.
Für den neuen DFB-Chefcoach geht es gleich um viel. Die Nations League bietet nicht nur eine frühe Chance auf einen Titel im kommenden Sommer, sondern auch die Möglichkeit, sich für die EM 2028 zu qualifizieren, falls der direkte Weg über die Qualifikationsgruppe nicht gelingen sollte. Klopp begrüßt den Wettkampfcharakter, der mit dem Auftaktspiel am Donnerstag in den Niederlanden und den folgenden Partien gegen Serbien und Griechenland entsteht. «Man lernt relativ schnell von, ich finde die Nations League nicht so dolle, bis ich liebe die Nations League», erklärte er seine veränderte Sichtweise. Als Club-Trainer des FC Liverpool hatte er die Einführung des Wettbewerbs vor acht Jahren noch kritisch beurteilt. «Ich bin einfach froh, dass wir jetzt da sind, dass wir spielen», sagte Klopp. Es sei ihm lieber, «es geht um was».
Sportlich hat die Nations League konkrete Auswirkungen. Erreicht die DFB-Elf in ihrer Gruppe einen der ersten beiden Plätze, qualifiziert sie sich für die Viertelfinal-Playoffs im März. Ein Weiterkommen dort führt zum Final Four im Juni. Deutschland hat dieses Endturnier erst einmal erreicht – bei der jüngsten Auflage 2025. Beim Heimturnier in München und Stuttgart sprang nach Niederlagen gegen Portugal (1:2) und Frankreich (0:2) nur der letzte Platz heraus. Für Klopps Vorgänger Julian Nagelsmann war das ein Jahr vor der WM ein Fingerzeig, dass die Weltspitze der deutschen Mannschaft enteilt war.
Ein Gruppensieg in der Nations League bringt zudem einen wichtigen Vorteil: Als Finalteilnehmer spielt man in der Qualifikation zur EM 2028 sicher in einer Vierer- und nicht in einer Fünfer-Gruppe. Eine möglicherweise weite Reise zu einem kleinen Gegner aus dem schwächsten Lostopf entfällt. Stattdessen kann man sich in der Endrunde mit Europas Elite messen, Teams wie vermutlich Spanien, Frankreich oder England. Das ist ein sportlicher Anreiz.
Darüber hinaus dient der Gruppensieg als Absicherung für die EM-Qualifikation. Sollte die direkte Qualifikation im Herbst 2027 nicht gelingen, könnte man in jedem Fall an den EM-Playoffs im März 2028 teilnehmen. Diesen «Fallschirm» hat Klopp offenbar im Blick. Wird man in der Gruppenphase Dritter, muss man eventuell im März in die Relegationsspiele, um einen Abstieg aus der A-Liga zu vermeiden. Als Vierter droht sogar der direkte Abstieg aus der Topklasse, die für die nächste Auflage 2028 von 16 auf 18 Teams aufgestockt wird.
Klopp zeigt sich trotz der komplexen Regeln zuversichtlich. «Ich bin einfach froh, dass wir jetzt da sind, dass wir spielen», sagte er. Die Nations League sei eine gute Gelegenheit, schnell zu lernen und sich mit den Besten zu messen. Für die junge deutsche Mannschaft ist der Wettbewerb eine frühe Standortbestimmung auf dem Weg zur EM 2028.
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